
Für einige war die Vorweihnachtszeit auch Arbeitskampfzeit. Mitte Dezember begannen die Verhandlungen zum Tarifvertrag der Länder. Am 18. 12. riefen u. a. Ver.di und die GEW Sozialarbeiter:innen, Erzieher:innen und andere Beschäftigte zum Warnstreik auf. Wer nicht aufgerufen wurde, waren die rund 100.000 Arbeiter:innen, die in Berlin bei freien Trägern beschäftigt sind.
Dabei sind diese 100.000 Beschäftigten zumindest mittelbar vom TV-L betroffen, da ihre Verträge oft an den Tarifvertrag angelehnt sind. Die Anlehnung bedeutet oft 15 bis 20 % weniger Lohn und insgesamt prekärere Arbeitsbedingungen. Am gleichen Tag sollte im Abgeordnetenhaus Berlins auch der Doppelhaushalt für 2026 und 2027 verabschiedet werden. Dieser sah, trotz einiger Rücknahmen, wieder Kürzungen im sozialen Bereich vor. So auch für die Projekte freier Träger in der Jugendhilfe oder der Sozialarbeit an Schulen, die auch in den allermeisten Fällen von eben diesen Kolleg:innen von freien Trägern geleistet wird …
Aber nicht mit uns!
Unsere Arbeitsbelastung in allen Bereichen ist sehr hoch, überall fehlen Personalstellen oder es ist unmöglich, Ende des Jahres schon Pläne für das kommende Jahr zu machen, weil bis Ende Dezember unklar ist, welche Projekte weiter gefördert werden und welche reduziert oder sogar komplett gestrichen werden. Das bedeutet Unklarheit über Personalstellen, aber auch Unklarheit darüber, welche Sachmittel uns zur Verfügung stehen werden, wenn wir als Arbeitskräfte weiterhin beschäftigt sind. Einige Kolleg:innen haben Ende des Jahres gekündigt, weil diese unsicheren Situationen weder für uns als Arbeiter:innen, noch für unsere Adressat:innen auf Dauer tragbar sind. Die Kolleg:innen der Soli-Treffs haben gesagt: „Bevor wir ins Burnout gehen, gehen wir in den Sick out“. Unter dem Slogan wurden Kolleg:innen von freien Trägern zur Streikdemo mobilisiert.
Schon seit Jahren organisieren sich Sozialarbeitende, z. B. im Solidaritätstreff Soziale Arbeit, um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Durch vergangene Aktionen, wie die Kampagne für die Hauptstadtzulage für freie Träger und gegen die Kürzungen der letzten Jahre, existiert mittlerweile ein Netzwerk von aktiven, kämpferischen Sozialarbeitenden in Berlin. Es wurde deutlich, dass durch die kontinuierliche Organisierung als Sozialarbeiter:innen die Möglichkeit geschaffen wurde, Aktionen erfolgreich durchzuführen. Es wurden 150 Kolleg:innen von 100.000 erreicht, natürlich geht da noch mehr. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir selbstwirksam unsere Forderungen auf die Straße tragen können. Es gab am 18. 12. eine kleine Zubringerdemo und anschließend haben wir an der Streikkundgebung teilgenommen. Dort haben wir auch Unterstützung für die Aktion erfahren. Am meisten von Erzieher:innen, die zu uns gesagt haben: „Ja, wir machen die gleiche Arbeit, wir dürfen uns nicht spalten lassen“ oder seitens der Studis und Beschäftigten der Alice Salomon Hochschule, die ihre Solidarität auf Plakaten ausgedrückt haben. Die Gewerkschaftsmitglieder geben uns also ein anderes Feedback als die Spitzen der Gewerkschaften, von denen es wenig Aufmerksamkeit, geschweige denn Unterstützung für Sozialarbeitende von freien Trägern gibt. Die Aktion war auch etwas riskant, da es im Aufruf darum ging, die Arbeit für diesen Tag in Form von Krankschreibungen niederzulegen, um am Streik teilnehmen zu können. Doch wir haben schon oft gesehen, dass Demos, Brandbriefe oder Plakataktionen vor den Einrichtungen, in denen wir arbeiten, die Situationen nicht verändert haben. Die Arbeitsniederlegung ist das einzige verbleibende Mittel, um uns diesem massiven Druck und den schlechten Bedingungen für Beschäftigte, Adressat:innen und im Endeffekt die Gesellschaft entgegenzustellen und uns einzusetzen für einen flächendeckenden Tarifvertrag im sozialen Bereich, die Hauptstadtzulage für alle und mehr Investitionen in Soziales und Bildung statt in Polizei, Aufrüstung und Militär!
Hanna Latz, Berlin
