Wir brauchen keine „Tarifeinheit“, wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen

Wir brauchen keine „Tarifeinheit“, wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen!

Der DB-Vorstand hat verkündet, welcher Tarifvertrag, ob EVG oder GDL, ab April in unserem Betrieb gelten soll. Dabei glauben die Damen und Herrn mit Hosenanzug und Nadelstreifen zu wissen, wer die Mitglieder-stärkere Gewerkschaft ist. Sie haben sich an den alten Betriebsratswahlen und den Erklärungen zur Tarifbindung orientiert. Für S-Bahn und Regio Berlin-Brandenburg sollen angeblich ab April ausschließlich die Tarifverträge der EVG gelten. Verschiedene Leistungen wollen sie streichen. Es ist die alte Masche: Sie wollen uns gegeneinander ausspielen.

Wie weiter? Dieses Jahr überschlägt sich einiges: BV Arbeitszeit bei der S-Bahn und so. Der Puls ist sowieso hoch. Andererseits: die DB tastet sich vorwärts und checkt, wie weit sie noch gehen können, bis was passiert. Das ist geradezu eine Einladung zum Streik.

Wie zahlreich wir sind, wird sich tatsächlich mit dem nächsten Streik zeigen.

Vom Vorstand lernen…

Die GDL-Oberen pokern darauf, dass mit fetten Tarifforderungen auch für Werkstattkollegen, FDL und so weiter sich die Mitgliederzahlen erhöhen.

Seiler und Konsorten habe sich aufgeplustert und empört: „horrende Forderungen“ seien das, die GDL sei „realitätsfern“, das wären „Kostensteigerungen von 46 Prozent“. Wir sind solche Töne gewohnt, war 2007 genauso.

Und 2019 wollten sich die Bahnvorstände schließlich die Einstiegsgehälter von 400.000 auf 585.000 erhöhen. Davon sind wir schon noch ein bisschen weg.

Aber haben sich die GDL-Oberen auch überlegt, wie das Forderungspaket durchgesetzt werden soll? Wann wird von verbalen Attacken übergegangen zu echtem Druck auf die DB?

Mehr Geld für alle

Für die 5.000 sog. Führungskräfte soll jetzt ein Gutachter klären, ob sie Anspruch auf Boni haben.

Aber wenn es darum geht, „Leistung“ zu honorieren, braucht es keine Gutachter: Kolleginnen und Kollegen in den Großraumbüros der FDL haben ein „Recht“ auf mehr Geld, genauso wie alle auf den Zügen und die Aufsichten, Einsatzplanung und Fahrplanbüro, Fahrkarten und Abrechnung und so weiter. Wenn schon Leute, die schlaue Sprüche klopfen und über Arbeit reden, zehntausende Euro extra bekommen sollen, wie viel mehr müsste dann für uns alle rausspringen, die die Arbeit machen?

Als Maßstab wären auch die Menge an Applaus und Dankes-Hymnen geeignet.

Die dritte Welle?

Beim Zugpersonal hört man bei vorgehaltener Hand von vielen vermutlichen Corona-Erkrankungen bei Kollegen, die jedoch nirgendwo erfasst wurden. Überforderte Gesundheitsämter, viel zu wenige Testmöglichkeiten… ? Kollege „Risiko“ fährt also weiterhin jeden Tag auf dem Zug mit.

Schöner Wohnen

Die zusätzlichen Pausenräume bei der S-Bahn, die gegen die Überfüllung der normalen Pausenräume helfen sollen, erinnern an Knast. Die sollen angeblich nur „vorübergehend“ sein wegen Corona. Aber was ist schon „vorübergehend“? Vor allem bei Corona? Zum Beispiel der Bunker in Buch mit den vergitterten Fenstern… wie kann ein mentaler Erholungseffekt entstehen? Oder der Bunker in Grünau, der kein Fenster nach draußen hat? Was haben wir nur verbrochen, um so gewertschätzt zu werden? Dabei stehen Bürotempel bei der DB derzeit oft leer. Dort kann man bestimmt super Pausen verbringen.

Große Verteilungsmaschine

Der Konzern drohte letzten Sommer, Leute in großem Stil auf die Straße zu setzen wegen… Coronakrise. Entgelte können nicht erhöht werden wegen…. Coronakrise. Aber diese Krise öffnet für die DB auch neue Töpfe. 28 Milliarden sind schon eine Weile für „Digitalisierung“ veranschlagt. Und Geld kommt jetzt aus dem staatlichen Hilfstopf für…. Corona-Krise. So viele Milliarden werden reingepumpt!

Mit neuem Lack, aber ohne neues Leder

Regio Nordost hat mehrere Millionen in ein Refresh von über 40 Zügen gesteckt: neue Sitzpolster, neues WC mit Farbtapete und so weiter. Und für die Lokführer*innen gibt es nichts, keinen neuen Fahrersitz, nicht mal frischer Anstrich im Führerstand. Das erinnert an die ertüchtigten 481‘er. Was die Wertschätzung angeht, da muss Regio noch viel lernen.

Die Ausschreibung muss weg

Bei der Ausschreibung der S-Bahn haben sich für Züge/Instandhaltung Siemens/Stadler und Bombardier (Alstom) gemeldet, wo sich gerade die Bahnwerker an Warnstreiks der IG Metall beteiligen. Die Geier haben ein paar Probleme. Sehr schön! Viel Erfolg den Streikenden. Bei den Betreibern interessiert sich Transdev, das in Phoenix bei der Busgesellschaft streikentschlossenen Beschäftigten für besseren Arbeitsschutz gegen Corona gegenübersteht. Viel Erfolg auch ihnen! Interessiert sind neben der S-Bahn die „Länderbahn“ und MRT Hongkong… soweit man weiß (Informationen sind Mangelware).

Sie alle wollen Kohle machen. Die Zerstückelung des S-Bahn-Betriebes ist nicht vom Tisch.

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