Haiti: heimgesucht von Erdbeben und Ausbeutung

Ohne Zweifel, das Erdbeben vom 12. Januar ist eine
große Naturkatastrophe. Doch die Haitianer sind vor
allem Opfer einer sozialen Katastrophe. Und die hat
nichts „Natürliches“.

Das „arme“ Haiti hat viele reich gemacht. Anfangs
französische Sklavenhalter, später vor allem US-amerikanische
und kanadische Firmen, die zu Hungerlöhnen
Kleidung nähen und Elektronik zusammenschrauben
lassen. Das Land wurde zum Hinterhof der USA. Sie
setzten ihnen genehme Diktatoren ein, trieben die
Privatisierung der Staatsunternehmen voran und ruinierten
die Landwirtschaft mit Billigimporten. Die
UNO gab den Segen. Am Ende war die Infrastruktur
völlig marode. Und die Bevölkerung hungerte.

Nicht einmal nach dem Erdbeben lief die internationale
Hilfe in dem Tempo an, wie es in Anbetracht des
Desasters nötig gewesen wäre. Hilfsorganisationen
klagen, dass der Flughafen der Hauptstadt in der
ersten Woche von US-Militärs blockiert wurde. Was die
20.000 Marines und europäischen Polizisten angeht,
so sind sie in erster Linie dort, um eine soziale Explosion
gegen die korrupten Herrschenden und Flüchtlingsströme
in das reiche Florida zu verhindern. Statt
Lebensmittel zu verteilen, kreisen Hubschrauber vor
den Küsten, um Flüchtlinge abzufangen.

Auch die zugesagten Gelder sind lächerlich gering.
US-Präsident Obama hat 379 Mio. Dollar in Aussicht
gestellt. Das allein kostet die US-Militärintervention
in Irak und Afghanistan pro Tag! Auch die deutsche
Regierung bleibt „bescheiden“. Gerade mal 15 Mio.
Euro will sie geben. Der fertige Teil der Kanzler-U-Bahn
in Berlin hat das Zehnfache gekostet! Ganz zu schweigen
von den Milliarden, die zur Rettung der Banken
locker gemacht wurden.

Hilfsorganisationen berichten, dass dort, wo sie mit
Selbsthilfekomitees der Stadtviertel zusammenarbeiten,
die Verteilung von Essen und die Versorgung der
Verletzten gut klappen. Also, gebt den Haitianern die
Möglichkeit, sich zu organisieren! Was sie dringend
brauchen, ist ein Ende der wirtschaftlichen Ausbeutung!
Denn die ist der Grund für all das Elend, das
Haiti immer wieder heimsucht.

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