Die Produktion vor dem Leben

Als Ende November eine neue Welle Corona an die Tür klopfte, reagierte die Politik kaum. Ein Lockdown wurde nicht mal erwähnt: früh morgens waren wir weiterhin in den Öffis zerquetscht, und dann zusammen Stunden lang in den Werkshallen; die Produktion sollte weitergehen!

Was zu erwarten war: der Virus fand seinen Weg.

Erst jetzt wird doch über einen möglichen Lockdown gesprochen (in der Niederland schon durchgesetzt)… für Weihnachten und Silvester?

Für die Wirtschaft dürfen wir (und müssen sogar) unterwegs sein, und wenn Urlaub kommt, dann sei es notwendig, Kontakte zu vermeiden?!

Ansteckung im Betrieb ist kein Kindermärchen

Bei der VIP-Lampe wurde Ende November ein Kollege positiv getestet. Zu spät: vier andere Leute wurden angesteckt. Die Produktion ist weiter gelaufen.

Wäre es notwendig gewesen, die Abteilung 12 Stunden zu schließen, um gründlich alles zu putzen : Türknöpfe, Treppengeländer, usw.? Die Bilder in den Medien mit schwer verkleideten Soldaten, die Desinfektionsmittel versprühen, dürften allerdings auch eher der Propaganda, man tue etwas, gedient haben.

Hauptübertragungsweg ist auch nach heutigem Wissensstand die Luft. Fünf Fälle in einer Abteilung, wie es war, kann man wohl als Cluster bezeichnen und es sollte die ganze Abteilung plus Nachbarbereiche getestet und bis zum Vorliegen des PCR-Ergebnisses nach Hause in betriebliche Quarantäne kommen. Quarantäne zu Hause kann das Gesundheitsamt verordnen, aber Osram hätte auch selbst die Initiative ergreifen können (natürlich voll bezahlt!). Man erinnere sich an die Fleischfabriken. Da wurde ja auch die gesamte Fabrik geschlossen.

Für den Betriebsausweis ein Pflaster

Mehr als Osramer? Wir sind künftig „ams-ler“. Dafür haben wir zwei Sticker bekommen: auf den Betriebsausweiß zu kleben: schööön!

Das nächste mal bekommen wir vielleicht eine Einladung zur Tätowierung. Die drei Buchstaben „ams“ auf dem Arm für den Sommer… und die „Transformation“ geht voran!

Einen guten Rutsch“… wohin?

Der Vorstand hat sich als Glückwünsche für das Jahrensende ausgesucht, unseren „Einsatz und das Engagement jedes Einzelnen“ zu loben. Der Vor­stand spürt einen „überragenden Teamspirit“ und hat für das kommende Jahr „Wachstumspotentiale definiert“. Ist das ernst, oder ist dieses hochtrabende Quasseln (ein „Wandel zu „new normal““) ein reines Blabla?

Sicher ist: wenn der Betrieb gut geht, dann dürfen wir schneller und tüchtiger arbeiten. Wenn aber schwierige Zeiten kommen, dann müssen wir die Zeche bezahlen, zum Beispiel mit Stellenabbau.

Das Nordamerikageschäft wurde verkauft: was sind die Konsequenzen für die dortigen Kolleg:innen? Und wer kann glauben, dass ams uns schonen wird, wenn sie wieder die Zeit für Verkäufe als geeignet finden? Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Osram-Berlin wird jünger

Seit Monaten empfangen wir neue Kolleg:innen. Eingestellt bei Wisag oder Unique, sie sind meistens befristet. Um ihre Chance zu bewahren, aufgenommen zu werden, passen sie zu recht auf, kein Problem mit den Chefs zu kriegen. Das wird noch ein paar Monate dauern, bis sie Osramer werden. Ab drei Monaten im Betrieb dürfen sie an der Betriebsratswahl teilnehmen, aber nur als Wähler (kandidieren dürfen sie nicht).

Sie kommen aus allen Himmelsrichtungen herbei, sind bedachtsam, und schon frisches Blut für die zukünftigen Kämpfe!

Krise? Welche Krise?

Man liest ja überall nur noch Corona, Inflation, Lieferengpässe, Diplomatenärger, Panzeraufmär­sche und Klimakrise… Doch Achtung: Deutsch­lands 40 größte Börsenunternehmen segeln im Parallelluniversum günstiger Winde. Mit einem Nettogewinn von insgesamt knapp 120 Milliarden Euro haben sie mehr als doppelt so viel verdient wie im Vorjahr! Die Folge: Die Top-Unternehmen werden für dieses Jahr voraussichtlich 45,5 Mil­liarden Euro an Dividenden, also gewissermaßen Zinsen auf Aktienpakete, ausschütten – so die Be­rechnungen des Handelsblatts. Das wären dann 25 Prozent mehr als 2020. Neuer Rekord.

Pharmaindustrie mit Corona-Plauze

Laut der Nichtregierungsorganisation People’s Vaccine Alliance erwirtschaften die Pharmakonzerne Biontech, Pfizer und Moderna 34 Milliarden Dollar Gewinn vor Steuern – allein mit den Coronaimpfstoffen. Diese Gewinne kommen daher, dass die Unternehmen das Wissen und die Technologie zur Produktion der Impfstoffe nicht mit der Welt teilen. Human Rights Watch hat gerade veröffentlicht, dass in Asien, Afrika und Lateinamerika 100 Produktionsstätten für Impfstoffe zur Verfügung stünden, wenn sie die Infos für die Herstellung erhielten.

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