Letzte Woche wurde angekündigt, was viele Arbeiter bei Opel Bochum seit Monaten gefürchtet haben: Das Werk soll 2016 praktisch geschlossen
werden. 3.000 Arbeiter sollen ihren Arbeitsplatz
verlieren. Direkt und indirekt werden hierdurch
20.000 Arbeitende ihren Arbeitsplatz in der Region
verlieren.
Alles nur Managementfehler?
Politiker und Gewerkschafter führen die Schließung auf Managementfehler zurück, doch das ist
nicht wahr. Es ist in erster Linie die weltweite Krise, die nun wieder zuschlägt – nicht nur in
Deutschland – nicht nur bei Opel: Sämtliche Autokonzerne haben dieses Jahr Absatzeinbrüche von
12,3-21,7% gemeldet. Allein die Autobauer von
Luxuskarossen wie Porsche, Jaguar oder Mercedes machen Supergeschäfte, was wohl hierzulande niemanden verwundert, seitdem der letzte Armuts- und Reichtumsbericht wieder einmal offenbart hat, dass die Reichen eben – trotz Krise –
immer reicher werden.
Durch die Einbrüche in den Absätzen sollen viele
ArbeiterInnen ihre Jobs verlieren. In Belgien kämpfen daher seit Wochen Arbeiter um ihre Jobs,
denn Ford will bis Ende 2014 4.300 Ford-Arbeitern
und damit auch 5.000 Arbeitern der Zulieferer die
Zukunft nehmen. In England sollen die Werke in
Southampton und Dagenham nun schließen, in
Polen will Fiat 1.500 Stellen streichen. Auch in
Frankreich hat der Konzern PSA (Peugeot/Citroen) vor, bis Mitte 2014 11.000 Arbeitsplätze
zu vernichten. Volvo in Schweden geht wieder auf
Kurzarbeit und lässt die Leiharbeitsverträge auslaufen.
Die Konzerne nutzen die schlechten Zeiten aus
Und mit diesen Negativzahlen gehen die Autokonzerne nun in die Offensive. Ihr Ziel ist es, die Arbeiter weltweit gegeneinander auszuspielen und
zu zwingen, auf Löhne zu verzichten. Das Beispiel
Opel ist hierfür sehr bezeichnend: General Motors
verkauft zwar in Europa weniger Autos, aber der
Konzern macht insgesamt – seit der großzügigen
Finanzspritze von 9 Mrd. Dollar durch die US-
Regierung und zahlreichen Fabrikschließungen
sowie Gehaltskürzungen in den USA – wieder gigantische Gewinne: 2010 waren es 4,7 Mrd. Dollar, 2011 7,6 Mrd. und für die nächsten Jahre werden weitere Gewinnsteigerungen erwartet.
Weshalb also die Werksschließungen, wenn es einem
Konzern so gut geht? Weil die Konzernspitze und
ihre Aktionäre noch mehr Gewinne wollen. Die
Werksschließung von Opel Bochum steht nämlich
im Zusammenhang damit, dass verschiedene Belegschaften mit ihrer drohenden Arbeitslosigkeit
unter Druck gesetzt wurden. So boten die Gewerkschaften in Polen, England und auch hier in
Deutschland an, auf Löhne zu verzichten, um GM
dazu zu bringen, doch in ihren Standort zu investieren. GM hat sich am Ende für Polen und Groß-
britannien entschieden, weil den Managern angeblich die Produktionsanlagen in Bochum zu veraltet
und das Durchschnittsalter der Belegschaft zu
hoch – sprich: zu teuer – seien. Auch Opel Rüsselsheim war zu Lohnverzicht bereit, um die Produktion zu halten, doch all diese Angebote haben
nichts genützt. Und so wird die Konzernführung
300 Mio. Euro in Polen und England investieren,
um hier die Technik auf den neuesten Stand zu
bringen. Da sieht man, dass die Entscheidung
nichts mit der Technik zu tun hatte… einzig und allein damit, wer sich am meisten erpressen ließ.
Ihre Probleme sind nicht die unseren
Die Krise hat ihre Ursache in der weltweiten Überproduktion vieler verschiedener Produkte, die keine zahlungskräftigen Kunden mehr finden. Die Autoproduktion ist nur ein Ausdruck dieser planlosen
kapitalistischen Wirtschaft: Während 1960 weltweit
16,5 Mio. Kraftfahrzeuge produziert wurden, waren
es 2008 71 Mio. Das ist mehr als die Menschen
heute kaufen können. Möglich war dies durch die
enormen Produktivitätssteigerungen in Form von
Rationalisierung, Konkurrenzdruck der Firmen untereinander und Arbeitsintensivierung. Nach kapitalistischer Logik müssen diese Überkapazitäten
abgebaut werden. Das geht nur durch Arbeitsplatzabbau sowie Werksschließungen und Firmenpleiten.
Die Folgen für uns Arbeitenden ist
wohl allen klar und deswegen eine zynische und
inakzeptable Logik, die wir unbedingt durchbrechen müssen. Und das geht auch: Wenn wir die
Arbeitszeiten senken und die Arbeit auf alle Arbeitenden (und Arbeitslosen) verteilen, dann könnte die Menschheit weiterhin genügend für das Überleben aller produzieren. Nur die Profite, die würden gewaltig sinken. Doch wessen Problem wäre
dies? Nicht das unsere, sondern nur das der Aktionäre und Unternehmer.
