
Die Kahlschlagpolitik der Stadt Wien hat ganz konkrete, oft zunächst versteckte, Auswirkungen Darüber haben wir mit S., Aktivistin und Sozialarbeiterin (im Handlungsfeld Sucht und Psychiatrie), gesprochen.
Kannst du uns kurz was über deine Arbeit und die Auswirkungen der Kürzungen der Stadt Wien erzählen?
Die Einsparungen haben dazu geführt, dass bereits Anfang des Jahres soziale Einrichtungen vollständig oder teilweise schließen mussten. Viele arbeitsmarktpolitische Projekte, die Menschen mit Suchterkrangungen betreuen und versuchen, sie in den Arbeitsmarkt zu (re-)integrieren, mussten zusperren. Darunter das Projekt Standfest vom Verein Dialog, das Projekt FÖBES von der Suchthilfe und ein großer Teil des sozialökonomischen Betriebes von Fix und Fertig. Viele Personen haben dadurch ihre Beschäftigung, ihre Tagesstruktur und ihre Perspektive im Leben verloren.
Außerdem sind vor einigen Wochen durch Umstrukturierungen in der Finanzierung viele Therapieplätze für Menschen mit Alkoholerkrankung weggefallen. Das bedeutet, dass diese Menschen länger auf Therapieplätze warten müssen, die Therapiedauer sich für viele verkürzt oder mehr ambulant und oft nicht mehr stationär behandelt wird. Hinzu kommt, dass viele Klient:innen Mehrfachproblematiken, wie der Teuerung von Lebensmitteln und Wohnkosten, als auch Kürzungen von Sozialleistungen, wie z.B. der Mindestsicherung, ausgesetzt sind. Betroffene kommen von einer Krise in die nächste und die Rahmenbedingungen lassen keine Erholung zu.
Was bedeuten die Einsparungen für dich und deine Kolleg:innen?
Mit dem Abbau der Therapieplätze wurde auch Personal reduziert. Stellen werden nicht nachbesetzt und befristete Stellen nicht verlängert. Etliche Kolleg:innen wurden gekündigt, das betrifft auch langjährige Kolleg:innen und Alleinerziehende. Offiziell sind das immer „einvernehmliche Auflösungen“ der Dienstverhältnisse. Weil fast überall gespart wird, ist es schwer einen neuen Arbeitsplatz in dem Bereich zu finden.
Insgesamt herrscht große Unsicherheit. Die Einsparungen gehen weiter und nächstes Jahr kommen vermutlich neue Einsparungen. Gleichzeitig steigen die Fallzahlen, es gibt aber weniger Personal. Das bedeutet, dass Arbeitsumfang und –belastung steigen und gleichzeitig weniger Zeit für die Praktikumstellen zu finden, weil weniger Ressourcen da sind, sie zu betreuen. Insgesamt werden die Handlungsmöglichkeiten der Sozialarbeitenden immer mehr eingeschränkt, da Projekte gekürzt werden oder überlastet sind.
Gegen diese Politik der Stadt Wien regt sich auch Widerstand. Was gibt es für Aktionen und Bündnisse? Und was braucht es?
Im Bündnis SOWISO mobilisieren viele Organisationen gegen die Sozialkürzungen, Stellenabbau und für die Rechte von Betroffenen. Es ist wichtig, Betroffenen ein Sprachhor zur Verfügung zu stellen, da viele Menschen so sehr mit dem Überleben beschäftigt sind, dass sie nicht die Kraft und Energie aufbringen, sich gegen die politischen Ungerechtigkeiten einzusetzen.
Es braucht strukturelle Veränderung, die Gelder in Unterstützungsangebote fließen lässt, nicht in die nächste Betonmischmaschine. Es braucht einen leichten und schnellen Zugang zu einer fairen und guten Sozial– und Gesundheitsversorgung für alle Personen. Armut kann nur dann reduziert werden, wenn Lebensbedingungen nachhaltig verbessert werden. Das Leben muss für alle Personen leist- und lebbar sein können.
