Kriminell ist die Ungleichheit in dieser Gesellschaft

Er reißt!

Wer? Na uns reißt nun doch der Geduldsfaden! Auch weil
wir das Gefühl haben, dass hier wieder einmal die Kommissarische
ihre Finger im Spiel hat. Einen Leasingstop
gibt es nicht. Nein! Doch noch immer ist es auf den Stationen
kaum möglich, bei Personalausfall KollegInnen aus
dem Pool oder gar Leasingkräfte einzubestellen. Dass wir
noch immer auf Leasingkräfte angewiesen sind, liegt eben
an der von der Charité verordneten dünnen Personaldecke.
Und nicht etwa an unserem schlechten Immunsystem.
Ist das die Vorstellung der Charité von der vorzeitigen
Umsetzung wichtiger Regelungen des Tarifvertrages,
die sie im Dezember angekündigt hat?

Proudly presented by Charité

Der Ärztliche Direktor wirft sich stolz in die Brust. Der
Neubau und die Sanierung des Bettenhochhauses in Mitte
sind voll im Plan. Sagt er jedenfalls. Und in den schnieken
neuen Zimmern gibt es dann sogar ein tabletartiges Multimediagerät
zum Telefonieren, Fernsehen und Videos
anschauen. Was er aber nicht dazu sagt, ist, was dieser
Service den Patienten extra kosten soll. Dass die Charité
nicht davor zurückschreckt, die missliche Lage der Patienten
auszunutzen und sich das TV – Angebot bezahlen
lässt, kennen wir ja schon seit einiger Zeit. Doch wir denken,
da geht noch mehr. Wie wäre es mit z.B. einer Abrechnung
im Minutentakt oder dem Angebot bestimmter
Senderpakete zu Rabattpreisen?

Wie lange bleibt das Legohaus noch?

Herr Frei, was meinen Sie eigentlich damit, dass „der Interimsbau…
außerordentlich gut angenommen wurde. Wir
haben hier die höchsten Auslastungszahlen.“? Dass die
Patienten ihre Erkrankungen nur vortäuschen, um ins
Containerdorf einziehen zu dürfen? Dass die Unruhe auf
Riesenstationen mit über 40 Betten besonders attraktiv
ist? Haben sie die fehlenden Klimaanlagen womöglich als
Wellnesseinheit mit Sauna angepriesen? Oder ist dieses
Lob dazu gedacht, uns darauf vorzubereiten, dass der Interimsbau
auch nach 2017 weiter betrieben wird?

Rechenfehler

Eine Auflage von 30.000 Stück hat die neue Zeitung „Charité
Kompakt“. Hm, interessanterweise hat die Charité
aber nur 15.000 MitarbeiterInnen. Für wen ist also der
Rest? Etwa neuer Brennstoff, damit die Heizungen im
Virchow wieder warm werden? Die Patienten lassen den
Wisch schließlich sowieso in den Gängen liegen.

Und wer feiert sich mal wieder selbst?

Natürlich, die Charité. Nun wird schon zum zweiten Male
der Patienten-Award vom „Freundeskreis Charité“ an verschiedene
Stationen verliehen. In der Kategorie „Stärkste
Verbesserung“ gewann die W61 aus dem CVK – die Station
in der vergangenes Jahr ein ständiges Kommen und
Gehen herrschte, weil die Arbeitsbedingungen katastrophal
waren. Verwunderlich ist, dass die meistens Awards
an Stationen des CC14 gehen, obwohl das Arbeitsklima
alles andere als angenehm ist und an jeder Ecke gespart
wird. Hat denn da die Kommissarische etwa ein gutes
Wort für ihr altes Centrum eingelegt?

Es ist eine alte Geschichte…

Ach was war es einst finanziell schwierig am Kreiskrankenhaus
Demmin. Und so verzichteten die rund 300 Beschäftigten
Jahr um Jahr auf Lohnerhöhungen. Doch mittlerweile
brummt der Laden, die Krankenhausleitung konnte
Rücklagen bilden – und ist hellauf empört, dass die KollegInnen
nach ihrem Lohn fragen. Seit dem 19.1. hat
ver.di nun zum Streik aufgerufen. Als Streiklogo könnte
man auch hier eine Schale Äpfel und eine Kerze vorschlagen.
Nachdem die KollegInnen jahrelang veräppelt
wurden, ist ihnen nun ein Licht aufgegangen…

Frei nach Professor Frei

„Charité – das heißt Mitmenschlichkeit und Zuwendung“
meint der Ärztliche Direktor Professor Frei. Daran sollten
wir die Charité mal erinnern, wenn es um unsere Arbeitsbelastung
durch chronische Unterbesetzung geht. Denn
Zuwendung braucht auch Zeit. Gewinnorientierung in der
Pflege von Menschen ist eben nicht mitmenschlich, sondern
das ist Moppelkotze.

„Prekär ist normal“?

In der taz war letztens ein Artikel zu lesen, in dem es ausnahmsweise
mal um die Beschäftigten der CFM ging. Die
Zustände, die dort für die Reinigung beschrieben werden,
sind uns gut bekannt. Vor allem die Frauen mit ihren 20 –
25 Stunden Verträgen stehen dabei im Fokus. Dass die
Arbeit in diesen Schichten nie zu schaffen ist, weiß jeder.
Trotzdem wird den einzelnen KollegInnen immer mehr
und mehr Fläche zum Reinigen gegeben. Und genau da
ist der Haken: den einzelnen KollegInnen! Umso wichtiger,
dass wir uns gemeinsam zusammentun und die Arbeit, die
nicht zu schaffen ist, auch einfach mal liegen lassen. Nicht
eine/r alleine! Alle! Keine weiteren Überstunden mehr!
Kein Hetzen mehr über die Stationen! Bis die Chefetage
durch die vielen Meldungen der vielen KollegInnen jeden
Tag merkt, dass sie mit der Flächenaufteilung pro Reinigungskraft
runtergehen muss und mehr Personal einzustellen
hat! Und mit dem kollektiven Arbeit-liegenlassen
können wir getrost am 04.Februar zur Betriebsversammlung
anfangen, um dort – alle zusammen – unsere
alltäglichen Probleme und die möglichen Lösungen zu
diskutieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert