Geld und Moral
Gute Bilder, gute Geschäfte – der ärztliche Direktor der Charité
schüttelt dem Botschafter von Saudi-Arabien am 5. November
die Hand. Alles lächelt in die Kamera, auch die Blumen und lobt
die „erfolgreiche Kooperation bei der Facharztweiterbildung“.
Nur ein Spielverderber erinnert in diesem Zusammenhang an
die aktuellen Berichte von amnesty international, dass die Hinrichtungen
im Lande der Saudis einen neuen Rekordstand erreicht
haben.
„Niemand hat die Absicht, Servicekräfte auszugliedern …“
Das betonen jedenfalls offiziell immer wieder Pflege- und
Dienststellenleitung sowie Einhäupl himself. Ist ja schließlich
2008 so verbindlich vereinbart worden. Doch die Verhältnisse,
die sind nicht so. Hartnäckig halten sich Informationen, dass die
Charité-Leitung versucht, Servicetätigkeiten durch Personal
ausführen zu lassen, welches Arbeitsverträge mit CFM oder
CHS hat. Was lernen wir daraus? Dass die Charité-Oberen
Vereinbarungen nur dann wirklich einhalten, wenn wir den erforderlichen
Druck aufbauen können, sie zur Einhaltung zu
zwingen. Absichtserklärungen gibt’s umsonst – alles andere
müssen wir uns erkämpfen.
Geld stinkt halt nicht,
darum ist man sich in Deutschlands Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen
auch für diese Schweinerei nicht zu schade.
Über Agenturen werden ausgebildete Pflegekräfte in die
Häuser in der BRD vermittelt. Wohl wissend, dass die dortigen
Arbeitsbedingungen nicht auszuhalten sind, werden den Angworbenen
Knebelverträge vorgelegt. Darin verpflichten sich die
KollegInnen für mindestens drei Jahre Arbeit, oft unterhalb des
Tarifniveaus. Gegenleistung sollen Sprachkurse für die Pflegekräfte
sein. Doch die verdienen diesen Namen oft nicht und
werden dazu eigentlich über EU – Fördertöpfe bezahlt. Auch eine
Art von Willkommenskultur. Vielleicht versuchen wir es doch
besser wieder mit der Internationalen Solidarität!
Kupplerei
Man nehme eine süße, kleine oder auch große Person namens
„Klinik“ und verweigere ihr die Anschaffung von Kleidern, neuen
Schuhen oder auch eines Föns. Dann biete man ihr einen finanziell
sehr potenten, aber echt hässlichen Partner namens
„private Firma des Sektors Gesundheitsdienstleistungen“ mit
dem Versprechen, dass diese alle Wünsche nach neuen Klamotten
usw. wahr werden lässt. Im Kleingedruckten des Ehevertrages
versteckt man dann eine Rückzahlungs- und Zinslösung,
die unter Garantie diesen Partner noch fetter und unansehnlicher
werden lässt und die arme kleine Klinik für mindestens
30 Jahre bindet. So geschehen gerade bei den Unikliniken
in Schleswig Holstein. Dort wollte das Land seit Jahren der
Pflicht zur Bezahlung eines Klinikneubaus nicht nachkommen.
Damit den Patienten nun das Krankenhaus nicht auf den Kopf
fällt, hat die Uniklinik mit einer privaten Firma einen Vertrag über
die Errichtung und den Betrieb eines Klinikneubaus über 30
Jahre abgeschlossen. Und wenn sie nicht sterben, freut sich
Vamed noch recht lange über diese Hochzeit.
Sehr geehrte Frau Kommissarische,
wenn uns der Rücken nicht so weh tun würde, was hätten wir
gelacht: „Gleichzeitig erleben wir, dass unsere Rekrutierungsbemühungen
sehr erfolgreich waren…“ Meinten Sie tatsächlich
Pflegekräfte? Gerne sind wir zu einem Rundgang mit Ihnen bereit,
beginnend im Centrum 14, um ach die vielen neuen KollegInnen
zu begrüßen. Und bei der Gelegenheit könnten wir ihnen
auch von all den KollegInnen berichten, die wegen der auch und
gerade von ihnen zu verantwortenden Arbeitsbedingungen die
Charité verlassen haben. Achso. Sie meinen das sind noch
nicht genug, die gegangen sind. Deshalb wollen Sie auch noch
die Leasingkräfte abbestellen. Nicht dass wir den Einsatz von
Leasingkräften unkritisch sehen, aber etwas weniger einsam ist
es schon mit denen auf Station.
Notruf – aber konsequent!
Bei der Casa Reha in Rudow hatte letztens eine Hilfspflegerin
für Furore gesorgt. Weil sie ganz allein auf Station für 21 PatientInnen
in der Frühschicht sorgen musste, war die Überlastung
vorprogrammiert. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als den Notruf
zu wählen und somit einen spektakulären Notarzt- bzw.
Feuerwehreinsatz zu starten. Die Folge? Endlich wird einer breiten
Öffentlichkeit offenbar, welche katastrophalen Zustände in
der Pflege herrschen. Vielleicht sollten wir sowas ja auch mal an
der Charité durchziehen?
Die „schwarze Null“ wie weggespült
Meistens bedeuten Reformen nichts Gutes, auch das neue
Krankenhausstrukturgesetz gehört dazu. Die Chef-Etage von
Vivantes fürchtet um ihre „schwarze Null“, da die Reform weniger
Geld für zusätzliche PatientInnen vorsieht. Seit 2009 hat Vivantes
die Zahl seiner Betten jedoch enorm aufgestockt und hat
einen jährlichen Patientenzuwachs von 2 %. Ohje Ohje, und
dann hatte Gesundheitssenator Czaja auch noch neue Betten
für Berlin versprochen… Wie soll die Reform dabei helfen?
Doch auch noch ne gute Nachricht: die Charité soll von dieser
Reform kaum betroffen sein. Naja, wir sollten dieser Meldung
mal nicht vertrauen.
Die „schwarze Null“, auch für unsere Löhne
Die CFM erhöht in einigen Bereichen die Löhne. Wow, etwa nur
so? Oder weil bald Weihnachten ist? Oder will sie uns nur ruhig
halten, da sie Angst vor einem neuen Streik hat? Wenn Kollege
jedoch genauer hinschaut, wird klar, dass am Ende des Monats
nicht wirklich mehr auf dem Konto ist. Zum Beispiel wird im Außendienst
der Lohn auf 9,00 €/h erhöht, dafür fallen die Zuschläge
für den Winterdienst weg. Oder in der Logistik gibt’s
bald 9,55 €/h, jedoch fällt dafür die Anwesenheitsprämie von
150 €/Monat weg. Wie wir wieder einmal sehen, die CFM
schenkt uns nichts ohne Kampf!
Streikverbot
Dienstag wurde der Streik der Flugbegleiter bei der Lufthansa
Düsseldorf für Dienstagabend verboten. Eine weitere Einstweilige-
Verfügung gilt jedoch nicht für die Streik-Zentren Frankfurt
und München. Für das Arbeitsgericht Düsseldorf war das Verbot
gerechtfertigt mit der Begründung, dass die Streikziele zu unklar
formuliert waren. Aber was ist da misszuverstehen? Die Flugbegleiter
wollen einen sicheren Ruhestand und keine Altersarmut.
Jeder sollte mit 55 Jahren in Rente ohne Abzüge gehen
dürfen! Daher ist dieser Kampf mehr als berechtigt, denn reden
allein bringt nicht viel, weder bei der Lufthansa, noch bei Charité
oder CFM!
