Statt menschlicher Würde nur Heuchelei

Gefährlich

Seit dem 01.09.2015 findet man nun die neuen Seiten zur
Meldung einer Gefährdungssituation. Jedenfalls wenn
man lange genug im Dickicht des Intranets gestöbert hat.
Aber die paar Minuten sollte man schon aufbringen.
Schließlich hat die Charité es geschafft, seit Anfang 2013
mit den Personalräten über das Verfahren zu verhandeln
und anscheinend immer wieder Wege gefunden, die Räte
zum Narren zu halten. Richtig gespannt sind wir nun, wie
lange es dauern wird, bis unsere vielen Anzeigen, die aus
der Personalnot oder organisatorischen Unzulänglichkeiten
herrühren, tatsächlich dazu führen, dass die Charité
für Abhilfe sorgt. Für die Wartezeit haben wir einen Lektürevorschlag:
der neue Tarifvertrag.

Hoch gefährlich

Bei unserer neuen Pflegedirektorin wundert es uns nun
wahrlich nicht. Aber die Charité könnte die Folgen der
„Checkliste Überlastungssituation“ der PD an ihrer Telefonrechnung
ablesen. Denn, wenn zu wenig Personal da
ist, soll die Schwester die Kollegen anrufen, reicht das
nicht, dann andere Stationen des gleichen Centrums,
dann andere Centren und dann das ZPC. In dieser Reihenfolge!
Und in dieser Masse! Geht’s noch (schlimmer)?
Ja! Denn als anwesendes Personal werden auch Schüler
und Hilfskräfte gezählt. Noch schlimmer? Ja! Denn die
Liste der Aufgaben, die unbedingt zu erfüllen sind, ist 4
mal so lang, wie die, die Aufgaben nennt, die man wegfallen
lassen kann. Dass sich dort die Grundpflege wiederfindet…
wie gesagt, wir wundern uns nicht mehr.

Wenn nichts mehr hilft

Dann hilft uns vielleicht die Ethikberatung! Denn es geht
um Fragen wie Arbeitsbegrenzung am Ende der Kraft, um
den mutmaßlichen Willen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
auch mal wieder Energie für die Angehörigen zu
Hause zu haben. Naja etwas frei zitiert aus dem jüngsten
Newsletter. Am besten gefällt uns aber, dass die Ethikberatung
in der Arbeitszeit stattfindet. Ach Frau Rabe, ja Bitte
– gleich morgen früh!

Seid wachsam!

Was bedeutet es, einen langjährigen Arbeitsvertrag bei
der CFM zu haben? Zählt es dabei, sich seit vielen Jahren
zuverlässig für die Charité und die CFM aufgerieben zu
haben? Oder zählt es, sich auch gesundheitlich angeschlagen
auf Arbeit geschleppt zu haben, um die „Kollegen
nicht hängen zu lassen“? Ganz ehrlich? Das interessiert
die CFM-Oberen einen feuchten Dreck. Für sie bedeutet
es offenbar vor allem: „Alter Vertrag – teurer Vertrag“.
Es gibt vermehrt Anzeichen dafür, dass sie jede Gelegenheit
nutzen wollen, um „Altverträge“ loszuwerden.
Also Obacht… Und wenn sie euch was anhängen wollen
– dran denken: kein Personalgespräch ohne Zeugen, am
besten einen Betriebsrat.

Rechenkünstler

Worum ging es doch gleich bei unserem Streik in der
Pflege? Ach ja, um Mindestbesetzung – sprich, um weniger
Patienten pro Pflegekraft. Nun lieferte Gesundheitssenator
Czaja Ende August einen interessanten Beitrag
dazu. Er kündigte insgesamt 1000 neue Krankenhausbetten
für Berlin an. Dabei könne er jedoch „kaum Hoffnung
für neues Personal“ machen. Bettenzahl erhöhen bei gleichem
Personal? Nun ist der Herr Czaja Arzt und nicht Mathematiker.
Trotzdem empfehlen wir ihm dringend, mit uns
zu rechnen…

Alle Betten stehen still…

Überall ist es zu hören. Keiner kann sich entziehen. Der
Sommer war schlimm. Nein, nicht wegen des Wetters. Die
Arbeitsbedingungen und Zustände an der Charité sind es,
die uns fast an den Wahnsinn treiben. Und wird es besser?
Man trifft kaum jemanden, der diese Frage mit Hoffnung
beantwortet. Die Verhandlungen mit der Charité sind
festgefahren. Das ist überall zu hören. Und nun? Kopf in
den Sand und hoffen, das es nächstes Mal besser wird?
Mitnichten! Wir können sehr wohl dafür sorgen, dass das,
wofür wir gestreikt haben, nicht einfach untergeht. Die
Charité macht Druck? Das können wir doch besser! Ihre
Worte sind nichts wert, aber unsere Taten dagegen wiegen
schwer… Lassen wir uns nicht unterkriegen und zeigen
der Charité stattdessen, dass wir sehr wohl etwas gelernt
haben… Ihren Worten kann man nicht vertrauen und
man verhandelt nicht mit seinem Henker, man setzt sich
durch!

Können wir denn gar nichts tun?

Streik vorbei und nun müssen wir einfach abwarten und
der Dinge harren, die da kommen mögen? Von wegen!
Wir sind nicht ohne Stimme. Vor und während des Streiks
haben wir gesehen, wie verständnisvoll die Presse über
unsere Belange geschrieben hat und wie solidarisch die
Bevölkerung mit uns war. Das können wir auch jetzt noch
nutzen. Die Welt außerhalb der Charité sollte erfahren,
dass sich seit dem Streik nichts verändert hat. Im Gegenteil.
Die Charité behandelt uns (und damit auch die Patienten)
immer noch wie das Letzte und hat bis auf warme
Worte bisher gar nichts geleistet! Wir sollten versuchen,
den Druck aufrechtzuerhalten und unsere Belange nicht
unter den Tisch fallen zu lassen. Nur zur Info: Die Nummer
der Berliner Zeitung lautet 030-23279.

Care Revolution in Wien!

„Mehr Verantwortung braucht mehr Gehalt + 30% mehr
Grundgehalt! Wer am Personal spart, spart an der Gesundheit.
+ 30% mehr Personal für alle Berufsgruppen!
Für transparente Verhandlungen und eine Urabstimmung!
Uns reicht´s.“ So lautet der Aufruf der Care Revolution
Wien. Am Samstag, den 05.09.2015, sind dort alle Beschäftigten
der Krankenhäuser aufgerufen, sich an der
großen Demonstration zu beteiligen. Das Bemerkenswerte
dabei: das Ganze kommt ganz und gar von unten. Wer
bei dieser Initiative Gewerkschaftsverantwortliche sucht,
sucht vergebens. Aber ist ja auch klar, die haben bei all
der Verantwortung und „Mitgestaltung von Reformen“ und
den ganzen Verhandlungen mit der Regierung keine Zeit,
sich darum zu kümmern. Also machen es die Beschäftigten
kurzerhand selbst. Respekt!

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