Das war wirklich Spitze!
Unser Streik war gut! So viele gute Aktionen, eine tolle
Dynamik, nicht enden wollende Ideen und Ansätze… die
Liste ist beliebig erweiterbar. Und gerade deswegen stellen
sich so manche KollegInnen zu Recht die Frage, ob da
nicht noch mehr drin gewesen wäre. Woher kam der Zeitdruck,
dass wir in den Streikversammlungen uns für eine
Seite entscheiden mussten, ohne zuvor das Eckpunktepapier
gelesen zu haben? Es ist schwer über eine Sache
(unsere Sache!) entscheiden zu müssen, ohne die konkreten
Punkte (und deren Konsequenzen daraus) zu kennen
und richtig darüber diskutieren zu können. Jetzt haben wir
unsere schärfste Waffe (den Streik) aus der Hand gegeben
und hoffen nun, dass die Charité mit Verhandlungen
(ohne Druckmittel) zu Zugeständnissen bereit ist. Wieso
haben wir den Druck nicht soweit erhöht, bis die Charité
bereit ist, uns mehr als 90% der PPR zuzugestehen? War
denn das Ende der Fahnenstange schon erreicht? Immerhin
gibt es alleine bei uns im Hause noch genügend Bereiche
(z.B. ÄrztInnen und CFM), welche hätten überzeugt
werden können mitzustreiken. Von den KollegInnen bei
Vivantes und anderen Krankenhäusern ganz zu schweigen.
Kurney und Schäfer tun es schon wieder
Sie belästigen die MDAs! Nur wenige Monate nach dem
letzten Angriff auf die ach so langsamen und unfähigen
MDAs soll nun deren Tätigkeit auseinander gerissen werden.
Ergebnis ist nicht nur eine immer stupider werdende
Beschäftigung, sondern auch die Spaltung der KollegInnen.
Denn ein Teil von ihnen soll in die CFM ausgegliedert
werden. Personalabbau gibt es dabei laut der beiden Herren
nicht. Ne, ganz klar! Damit beflecken sich dann die
CFM-Oberen die Hände. Warum ver.di diese Belästigung
während des Streiks bzw. den Verhandlungen ungestraft
zu lässt? Wir haben keine Antwort.
Höher, Schneller, Weiter
Dieses Motto hatte sich diesmal wohl die Tarifkommission
gesetzt als sie sich ein Meinungsbild zu dem Eckpunktepapier
bei uns eingeholt hat. Dabei vergaß sie doch auch
glatt, uns eine schriftliche Ausfertigung zukommen zu lassen.
Kann schon passieren bei der Eile. Nur wir Schwestern,
Transporteure und ITler sind halt nicht so gut trainiert
und hätten etwas mehr Zeit benötigt. Die Höhe der Messlatte
beim Tarifprojekt erfordert nun mal etwas mehr Bedenkzeit.
Zum Fragen stellen, diskutieren und überlegen.
Damit werden wir nicht Sprintstar, könnten aber eine gute
Mannschaftsleistung ablegen.
Wo ist unsere Mausefalle?
Die Charité mit einer Maus zu vergleichen, mutet etwas bizarr
an. Aber vielleicht kennt jemand das Phänomen. So
eine Maus findet immer ein Loch, um zum Ziel zu gelangen.
Und genau dies befürchten wir angesichts der vielen,
vielen Sonderregelungen, die im angestrebten Tarifvertrag
eingebaut werden sollen. Die Maus Charité wird in der
dadurch entstehenden Uneindeutigkeit nicht nur ein
(Schlupf)loch finden. Am anderen Ende des Loches wartet
aber nicht der Käse, sondern die Aussicht auch weiterhin
mit möglichst wenig Personal zu arbeiten. Eine geeignete
Falle für die Maus Charité bleibt für uns: Die pauschale
Besetzungsregel.
Was ist denn davon zu halten?
Ja, der Frei hat es gesagt, der Einhäupl, der Scheller, die
Scherres, natürlich die Gewerkschaft ver.di und all die anderen.
Nun steht es auch noch in den Grundsätzen für einen
Tarifvertrag. Alle sind sich einig, dass es dringender
Verbesserungen bei der Personalausstattung in den Kliniken
bedarf. Und gerade das lässt unser Misstrauen noch
wachsen. Die Leute vom Vorstand unterschreiben mit dem
gleichen Füller dieses Eckpunktepapier, mit dem sie eben
noch den Plan absegneten, die MDAs in die CFM auszugliedern,
der Leitung des CC 13 noch zum Streikbeginn
das OK gaben, weitere 16 Pflegestellen abzubauen, noch
bis vor wenigen Tagen die Arbeitsverträge des ach so gesuchten
Fachpersonals grundlos zu befristen und der Geschäftsführung
der CFM den Abschluss eines Tarifvertrages
verbieten.
Was für die Mutter gut ist, kann der Tochter nur recht sein
Die Erfahrung des aktuellen Streiks an der Charité könnte
den Sekretären von verdi, die für die CFM zuständig sind,
ein kleines Aha-Erlebnis einbringen. Mit der Ankündigung
des Streiks an der Charité stieg die Zahl der Neueintritte in
die Gewerkschaft sprunghaft an und dürfte den Organisationsgrad
deutlich nach oben getrieben haben. Steht die
Frage: Warum der Tochter CFM vorenthalten, was die
Mutter Charité so schön in Bedrängnis bringt?
Da tun sich Abgründe auf…
Wer es bisher noch nicht wusste, der konnte spätestens
bei der letzten Abteilungsversammlung der Reinigung/
Catering feststellen, wie krass die Zustände bei der
CFM sind. Keine Einarbeitung, schlechte und zu wenige
Arbeitsmaterialien, keine festen Ausbilder für die Azubis,
keine zuverlässigen Dienstpläne, anrufen im Frei, keine
Zahlung von Zuschlägen… die Liste wurde immer länger!
Und diese Probleme sind wirklich nicht neu. Die Geschäftsleitung
wird damit verfahren wie immer: ignorieren!
Und zwar so lange bis wir wirklich anfangen für unseren
Tarifvertrag zu kämpfen!! Und kämpfen (streiken!) kann
jeder, egal ob Gewerkschaftsmitglied oder nicht!
Unter der Gürtellinie
Kürzlich wurde bekannt, dass sich Flüchtlinge an der Charité
fragwürdigen Alterstests unterziehen mussten. Von
Röntgen und sogar von peinlichen Intimkontrollen ist die
Rede. Da wir hier bestimmt niemanden über die Würde
des Menschen und so weiter aufklären müssen, wollen wir
nur mal am Rande erwähnen, dass man sonst für so manche
Untersuchung eines Patienten (z.B. eine Extra-
Röntgenaufnahme) wahre Kämpfe führen muss. Da
kommt dann gerne das pauschale Kostenargument. Und
bei Otto-Normal-Patient wird natürlich noch vorgebracht,
dass jede „unnütze“ Aussetzung von Röntgenstrahlen einer
Körperverletzung gleicht. Wenn jedoch die Chance
besteht hilfebedürftige Ausländer rauszukanten, werden
weder Kosten noch Mühen gespart.
Nicht nur der Streik „pausiert“…
Das Vitamin C macht eine kurze Sommerpause und
wünscht allen KollegInnen, die das Glück haben in den Urlaub
fahren zu können, viel Erholung. Und allen Anderen
wünschen wir einen nicht zu stressigen Sommer an der
Charité. Wir sehen uns dann im August wieder! (Falls es
vorher zum Streik kommen sollte, natürlich schon
früher 😉 )
