Ja, wir haben es schon mehr als einmal gehört. Bild,
BZ, Berliner Kurier, Tagesschau und FAZ; Bundesregierung,
Landespolitiker und „Wirtschaftsexperten“ machen
DIE Griechen für das wirtschaftliche und finanzielle Desaster
verantwortlich. Ist ja auch viel einfacher so. Und
noch einfacher ist es, über die Massenproteste der griechischen
Bevölkerung fast völlig zu schweigen. In den
letzten vier Wochen kam es täglich in vielen wichtigen
Städten des Landes zu Demonstrationen, an denen Hunderttausende
Arbeiter und Arbeitslose, Rentner und Jugendliche
auf die Straße gingen, um zu versuchen, das
neueste Sparpaket zu verhindern.
IWF, Weltbank und Europäische Zentralbank haben
dieses Paket diktiert, damit Griechenland die letzte Tranche
aus dem 110 Milliarden-Paket des letzten Jahres erhält.
Und wie wir nur zu gut wissen, geben Regierende,
Unternehmer und Banker keinen Cent umsonst. Dieses
Jahr noch sollen 6,5 Mrd. Euro, im nächstes Jahr weitere
22 Mrd. Euro gespart werden. Staatsfirmen im Wert von
50 Mrd. Euro sollen privatisiert werden, damit sie… von
ausländischen Großkonzernen billig aufgekauft werden
können. Nach dem Motto: „Alles muss raus.“
Die Bevölkerung ist das Opfer
Postbank, Häfen, Ölraffinerien, Elektrokonzerne,
Flughäfen, Autobahnen, Bergbaukonzessionen und vieles
andere sollen unter den Hammer kommen. Firmen wie die
Deutsche Telekom oder Hochtief, denen schon große Anteile
an der griechischen Telekom oder am Athener Flughafen
gehören, werden dankbar zugreifen. Was das bedeutet
wissen wir nur zu gut. Privatisierung heißt nichts
anderes als Stellenabbau, Lohnkürzungen und Arbeitsverdichtung.
Welche Folgen dies für die griechische Bevölkerung
hat, können wir uns sehr gut vorstellen. Innerhalb
eines Jahres verloren die griechischen Arbeiter bereits
durchschnittlich 30% ihres Lohnes. Der Mindestlohn
der Jugendlichen beträgt bereits heute nur noch 600 Euro
und nun soll er noch weiter gesenkt werden. Durchschnittlich
verdienen die Arbeitenden nur 1.000 Euro im Monat
und haben die gleichen Lebenshaltungskosten wie wir (z.
B. 500 Euro Miete) Schon heute liegt die offizielle Arbeitslosenrate
bei 16%. Bis Ende 2011 sollen 250.000 Arbeiter
des privaten und 150.000 im staatlichen Sektor ihre Arbeit
verlieren. Und dies in einem Land, in dem nur 11 Mio.
Menschen leben. Umgerechnet auf Deutschland hieße
dies, dass fast 3 Mio. Menschen in kürzester Zeit ihre Arbeit
verlieren würden…
Selber schuld!?
Das ist einfach gesagt und noch einfacher durch
deutsche Politiker und ihre Hofmedien verbreitet. Doch
dieses Märchen vom „faulen Griechen“ ist genauso wahr
wie das Märchen von den „faulen Ossis“ oder den „faulen
Arbeitslosen“. Damit sollen wir hier in Deutschland nicht
mehr nachfühlen können, welch menschliche Tragödien
sich in den letzten Monaten in Griechenland abspielen
und uns nicht solidarisch fühlen mit den Menschen, die die
Wirtschaftskrise nicht zu verantworten haben.
Aber sie zahlen doch ihre Steuern nicht!?
Angeblich sind die Griechen ja alles nur Steuerhinterzieher.
Doch wer sind diese Steuerhinterzieher?
2009 fehlten den griechischen Kassen 20 bis 30 Mrd.
Euro. Aber das waren nicht die Arbeiter oder Arbeitslosen,
denen die Steuern vom Lohn abgezogen werden und welche
die steigenden Mehrwert- oder Tabaksteuern tagtäglich
zahlen müssen. Nein, das waren in erster Linie die
Reichen, mit samt ihren Großunternehmen, die sich jeglicher
gesellschaftlicher Verantwortung entzogen haben. Es
sind die reichen Reeder, die ihr Vermögen in Finanzparadiese
verschoben haben, es ist die Onassis-Familie, die
allein 2,45 Mrd. Euro auf Schweizer Banken liegen hat
oder der Latsis-Clan, der 5 Mrd. Euro in der Alpenrepublik
parkt. Es sind die 6.000 griechischen Großunternehmen,
die allein 15 Mrd. Euro ins Ausland geschafft haben…
Jeder normale Mensch mit Verstand würde diese Firmen
belangen, um sie die griechische Krise bezahlen zu
lassen. Schließlich beläuft sich das Vermögen der griechischen
Unternehmer auf 600 Mrd. Euro. Aber die griechische
Regierung sieht das nicht so und auch nicht die
internationalen Organisationen.
Wir sitzen mit der griechischen Bevölkerung in einem
Boot
Griechenland ist nur pleite, weil das Land Zinsen und
Zinseszinsen zahlen muss. Würden heute diese Zahlungen
eingestellt, dann hätte Griechenland einen ausgeglichenen
Staatshaushalt. Es könnte mit seinen Steuereinnahmen
(vorausgesetzt sie würden von den Konzernen
gezahlt) seine Ausgaben decken. Doch bei diesem Gedanken
gehen die griechischen und internationalen Banker
und ihre Aktionäre an die Decke. Stattdessen wird die
griechische Bevölkerung immer weiter geschröpft. Das ist
nicht anders als hier in Deutschland. Wenn Berlin nicht
jeden Tag 6 Mio. Zinsen an die Banken zahlen würde,
dann hätten wir genug Geld, um Krankenhäuser, Schulen
und Bibliotheken zu finanzieren. Wir könnten einstellen,
höhere Löhne zahlen und die Arbeitsbelastung senken.
Das, was in Griechenland heute passiert, ist der absolute
Ausverkauf eines Landes zugunsten europäischer
Banken und Konzerne. Das Geld, das aus den europäischen
Kassen genommen wird, gelangt direkt wieder in
die Taschen der Aktionäre. Kein Cent wird die griechische
Bevölkerung erhalten. Daher: Schluss mit den radikalen
Kürzungen. Schluss mit dem Diktat von IWF, Weltbank
und Europäischer Zentralbank. Schluss mit dem Verscherbeln
der griechischen Staatsfirmen an deutsche,
französische oder andere europäische Firmen.
