
Seit dem 7. Oktober ist der im Norden des Gazastreifens gelegene Erez-Übergang zwischen Israel und Gaza geschlossen. Auch die Einreise von Journalisten ist damit unmöglich. Die israelische Armee entscheidet darüber, ob die Reporter:innen Zutritt zur Enklave bekommen oder nicht. Und wenn sie grünes Licht geben, dürfen sich Journalist:innen nur unter ihrer direkten Aufsicht bewegen und berichten. Eine merkwürdige Auffassung von Pressefreiheit.
Doch Clarissa Ward vom amerikanischen Sender CNN gelang es, das offizielle Protokoll zu umgehen. Und nur wenige Stunden genügten ihr, um sich einen Überblick über den katastrophalen Zustand des Gazastreifens und seiner Bewohner:innen zu verschaffen. Was die materiellen Schäden betrifft, „kann ich ehrlich sagen, dass ich nicht glaube, dass wir jemals etwas in diesem Ausmaß gesehen haben“, meint sie. Sie erinnert daran, dass Israel bis dahin 22.000 Bomben auf den Gazastreifen abgeworfen hat und dass nach UN-Berichten zwei Drittel der getöteten Menschen in Gaza Kinder und Frauen sind. Die Journalistin besuchte auch ein Krankenhaus, ein Feldlazarett, das kürzlich von den Vereinigten Arabischen Emiraten errichtet wurde. Es ist für sie schwer, die Emotionen angesichts der Situation dort unter Kontrolle zu halten. Die Krankenhausbetten sind mit schwer verletzten, traumatisierten Kindern und verstümmelten Erwachsenen mit amputierten Gliedmaßen überbelegt. In der Reportage erklärt der Leiter des Al-Naqbi-Feldlazaretts, dass die Einrichtung jeden Tag von etwa 20 Luftangriffen erschüttert wird. Zum Schluss lässt die Journalistin eine 20-jährige beinamputierte Frau zu Wort kommen, die feststellt: „Die Welt hört uns nicht zu. Niemand kümmert sich um uns, wir sterben seit über 60 Tagen aufgrund der Bombenangriffe und niemand hat etwas unternommen“.
