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Vitamin C Treffen: Wie weiter nachdem CFM-Streik?
Juni 18 @ 17:00 – 19:00
CFM Berlin: Ein großer Streik, kein großer Sieg?
Nach 48 Tagen Streik haben sich die Gewerkschaft ver.di und die Geschäftsführung der CFM (Charitè Facility Management GmbH) geeinigt. Etwa 3000 der Beschäftigten der Tochterfirma des Klinikkonzerns Charité werden künftig mehr verdienen! Das ist ein Erfolg, den die Streikenden erhofft und erkämpft haben. Aber eines der Hauptziele ihres mutigen Streiks, nach dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (TVÖD) bezahlt zu werden, soll erst mittels Stufenplans in 4,5 Jahren erreicht sein. Dabei geht es um die Gehaltstabellen. Die Anwendung des Manteltarifvertrages des TVöD wird ihnen weiter vorenthalten. Darin sind in Form von Urlaubstagen, Schichtzulagen oder der Jahressonderzahlung durchaus wichtige Einkommensanteile geregelt.
Die Geschäftsführung der CFM und der Vorstand der Charité bleiben also noch immer in einer Blockadehaltung gegenüber den Beschäftigten. Trotz des mächtigen Streiks, der von Anfang bis zum Ende ohne wahrnehmbares Abbröckeln stark von den Reinigungskräften bis hin zur Medizintechnik geführt wurde, werden die Entgelte der Beschäftigten keine übermäßig großen Sprünge machen.
Die Geschäftsleitung der CFM und der Vorstand der Charité sind sicher erleichtert: sie müssen zunächst nicht weiter mit Streiktagen rechnen. Die Fabrik Krankenhaus kann weiterlaufen. Auch der Berliner Senat profitiert: Er kann weiter seine Kürzungspolitik durchführen. Dass das Ergebnis an der CFM keinen großen Sieg darstellt, passt ihm sicher gut.
Bei den Beschäftigten, die sich entschlossen und langanhaltend im Streik engagiert haben, bleiben viele Fragen. Als Mitte Mai ver.di die Notwendigkeit verteidigt hat, den Streik auszusetzen, um zu verhandeln, haben Kolleg:innen die Unentschlossenheit der Gewerkschaft gespürt. Ein großer Teil der Beschäftigten war unzufrieden, den unbefristeten Streik zu pausieren. Manche wollten den Chefs nur einen statt zwei Tage Verhandlungen geben, die vier Tage Verhandlungen, die zugesagt wurden, waren für Viele ein letztes Zugeständnis. Am Ende hat ver.di die vier Tage Aussetzung ohne jegliche Abstimmung auf 5 Tage verlängert.
Dies war ein Wendepunkt im Streik: die Chefs konnten den Ablauf des weiteren Geschehens bestimmen. Konsequent setzte sie immer wieder die Aussetzung des Streiks als Bedingung für weitere Verhandlungen. Damit konnte die Geschäftsführung die Streikenden unter Druck setzen, denn die demokratischen Entscheidungsstrukturen innerhalb des Streiks funktionierten nicht mehr. Die Streikpause zwang die Kolleg:innen wieder in den normalen Betriebsablauf, da wurde es schwierig, dass Bereichsdelegierte und alle anderen sich gut informieren und mitdiskutieren konnten. Der Tarifkommission fehlte der Rückhalt durch die Streikenden, deren, Kritik und Kontrolle.
Mit der ersten Aussetzung des Streiks lieferte sich ver.di den Chefs und ihrer Strategie aus und begann den Streik zu bremsen. Streiken oder Verhandeln? Diese Forderung und die Debatte darüber hatten den Zweck, den Streik zu beenden. Einige Kolleg:innen hatten den Eindruck, dass ver.di den Kampf nicht weiterführen wollte, obwohl ihre Kampfkraft trotz Schikanen der Chefs und Einkommensverlusten nicht gesunken ist.
Viele Streikende wollen aus dem Kampf lernen, ihren Streik besser zu kontrollieren. Auch im Bezug zu den Organizer:innen: sie haben zwar viel geholfen bei der Mobilisierung und Organisierung des Streiks, doch letztendlich verlassen sie den Streik nach Ablauf ihres Vertrages und müssen unter den Bedingungen nicht arbeiten.
Nun steht die Urabstimmung über das erreichte Ergebnis an. Doch laut Statut der Gewerkschaft genügen 25% Zustimmung, um den Streik endgültig zu beenden. Wie auch immer das Ergebnis ausfallen wird, die Kolleg:innen der CFM haben bewiesen: zusammen sind sie stark – egal ob ver.di Mitglied oder nicht – und nur durch diesen Zusammenhalt können sie etwas bewegen!
Denn ohne uns läuft gar nichts… das bleibt die Wahrheit, das haben wir in den letzten Wochen bewiesen!
Der Streik ist vorbei, doch wir sollten im Austausch bleiben. Auch um uns gegen mögliche Repression zu verteidigen und uns auf künftige Arbeitskämpfe vorzubereiten. Kommt am Mittwoch, den 18. Juni um 17 Uhr in die Berliner Kantine, Bertolt-Brecht-Platz 1, 10117 Berlin zum Vitamin C-Treffen.
Die Kantine befindet sich auf dem Hof des Berliner Ensemble, rechts über den Hof in Richtung Neubau Bühne, dann eine Treppe runter.
