Revolutionär Sozialistische Organisation

Die Pharmaindustrie muss bezahlen!

Freitag 5. Februar 2010

Das Geschäft mit den Medikamenten boomt wie eh und je. Die Gewinne der Pharmakonzerne sprudelten auch im Jahr 2009. Novartis: 8,45 Mrd. $; GlaxoSmithKline: 1,63 Mrd. Pfund; Roche: 8,5 Mrd. Schweizer Franken; Pfizer: 8,6 Mrd. $ ... Traumhaft, nicht wahr?

Während diese Zahlen in den Wirtschaftszeitungen stehen, und die Aktionäre die Korken knallen lassen, beginnt in Deutschland wieder einmal die Debatte über zu hohe Kosten im Gesundheitssektor. Vor allem im Medikamentenbereich werden die Kosten dieses Jahr erneut um 5% auf über 30 Mrd. Euro steigen. Könnte es sein, dass zwischen den sprudelnden Gewinnen auf der einen und den steigenden Ausgaben auf der anderen Seite ein Zusammenhang besteht?

Die Antwort liegt auf der Hand. Die Pharmaunternehmen legen in Deutschland ihre Preise nach ihrem eigenen Ermessen fest und machen auf diese Weise gigantische Extragewinne. So kostet z. B. die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs in den USA 247 Euro, in Deutschland jedoch 477 Euro. Medikamente sind in anderen Staaten bis zu 30 % billiger als in Deutschland. Wenn diese Geschäftspraktik ein Ende hätte, dann könnten die Gesundheitsausgaben in Deutschland mindestens um 3,4 Mrd. Euro sinken.

Darüber hinaus halten die Pharmaunternehmen billige Nachahmer-Produkte, die nach Ablauf des Patentschutzes auf den Markt gelangen könnten, durch Bestechung der jeweiligen Firmen vom deutschen Markt fern. Sie kaufen sich Wissenschaftler, damit diese wiederum günstige Gutachten für ihre Medikamente erstellen. Und sie korrumpieren Ärzte, Krankenhäuser und zigtausende Selbsthilfegruppen mithilfe von Computern, bezahlten Sekretärinnen, gesponserten Fortbildungen, Internetseiten, kostenlosen Medikamenten-Mustern und vielen anderen Dingen, damit diese wiederum ihre Medikamente empfehlen und verschreiben. Ob sie nützlich sind oder gar viel teurer als andere Medikamente, spielt dann keine Rolle mehr.

Das ganze erinnert an die Mafia; aber es ist eben nichts anderes als kapitalistische Gesundheitswirtschaft, wo Konzerne miteinander konkurrieren und um jeden Preis so viele Produkte so teuer wie möglich auf den Markt bringen wollen.

Sämtliche Bundesregierungen – egal welcher Couleur – wollten und wollen den Pharmariesen nicht ins Handwerk pfuschen. Die nun wieder steigenden Kosten sollen wie üblich anders finanziert werden. Da die Ausgaben dieses Jahr 4 Mrd. Euro über dem zur Verfügung stehenden Gesundheitsfonds liegen, redet schwarz-gelb von einer neuen Gesundheitsreform auf unsere Kosten. Der FDP-Gesundheits­minister Rösler träumt von einer Kopfpauschale, wo jeder Versicherte gleich viel zahlt. Die Kosten der Arbeitgeber jedoch sollen bei 7 % eingefroren bleiben. Wer allzu wenig verdient, um die Kopfpauschale aufzubringen, soll aus staatlichen Mitteln unterstützt werden. Und so werden die steigenden Kosten aus Steuergeldern subventioniert, während die Arbeitgeber sich immer weniger an den Kosten der Gesundheitsversorgung beteiligen und die Pharmaunternehmen weiterhin absahnen können. Gleiche Kopfpauschalen für alle – das ist das Verständnis von Gerechtigkeit, wenn die Unternehmer ihre Gesundheitsreform durchsetzen können. Im Sommer soll es so weit sein. Bis dahin werden die Lobbyisten der Pharmaverbände sich die Klinke im Gesundheitsministerium in die Hand geben.

Wenn wir Arbeitende uns dagegen nicht wehren, dann werden die Konzerne bekommen, was sie wollen. Aber bis dahin kann noch viel passieren. Wenn die Gewerkschaften genug Druck verspüren, um breit zu mobilisieren, und wir in großer Zahl auf die Straße gehen dann können wir diese Reform verhindern. Es kommt auf uns an!


Marx
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