Revolutionär Sozialistische Organisation

Widerstand – die einzige Sprache, die die Unternehmen verstehen

Donnerstag 23. April 2009

In vielen Ländern der Welt flammen Proteste und Streiks auf, weil ArbeiterInnen die Krise nicht ausbaden oder gar ihre Arbeitsbedingungen verbessern wollen.

In Großbritannien sind die ArbeiterInnen von drei Visteon-Werken seit dem 1. April im Streik. Der Ford-Autozulieferer hatte den ArbeiterInnen in einer 6-minütigen Versammlung mitgeteilt, dass 565 von 610 ArbeiterInnen entlassen seien. Abfindungen soll es keine geben, während für Boni und Renten des Vorstandes vorsorglich eine eigene Firma gegründet worden war, die nun 1,1 Mrd. Pfund verwaltet. Leer ausgehen, während Ford- und Visteon-Manager und -Aktionäre jahrelang mit Dumpingzahlungen an Visteon fette Geschäfte gemacht haben, das wollen sich die ArbeiterInnen nicht gefallen lassen. »Wir waren verzweifelt. Viele von uns haben geweint. Später haben wir uns in den Kneipen getroffen, und viel über die Situation geredet. Durch die Gespräche wandelte sich die Verzweiflung bei vielen Leuten langsam in Wut um. Es entstand das Gefühl, wir können die Bosse nicht so einfach davonkommen lassen, wir müssen etwas unternehmen.« So beschrieb ein Arbeiter der besetzten Fabrik Enfield die Stimmungslage kurz bevor sie ihre Werke besetzten. In Enfield (Irland) dauerte die Besetzung gar bis zum 9. April. Am 11. April besetzten sie das Autohaus von Ford, um das Unternehmen weiter unter Druck zu setzen. Der Streik in Form einer Blockade der Tore geht hier, wie auch in Belfast und Basildon (bei London) weiter.

Und selbst in Deutschland wollten sich nicht alle ArbeiterInnen alles sang- und klanglos gefallen lassen. Bei VW in Hannover sollten 213 Leihar-beiterInnen vor die Tür gesetzt werden. Betriebsrat und IG Metall akzeptierten das Treiben von VW. Die Leiharbeiter nahmen ihren Kampf daher in die eigene Hand und protestierten öffentlich. 7 von ihnen machten vom 27. März bis 7. April ei-nen Hungerstreik. Ein Großteil der Leiharbeiter erhielt daraufhin wenigstens verlängerte Verträge. Und auch bei Daimler sollen die ArbeiterInnen geschröpft werden. Mit Kurzarbeit, Kürzungen von Urlaubs- und Weihnachtsgeld und Absenkung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich will der Chef Zetsche 2 Mrd. Euro einsparen, während der Konzern Gewinne macht. Statt Zugeständnisse zu machen, will ein Teil der ArbeiterInnen kämpfen und fordert 30 Stunden für alle bei vollem Lohn!

Und natürlich machen sich auch die französischen ArbeiterInnen bemerkbar. Am 19. März streikten und demonstrierten in Frankreich 3 Mio. Menschen und die Idee eines dauerhaften Generalstreiks liegt in der Luft. Aber ein Generalstreik ist nicht die einzige Sorge der dortigen Manager und Aktionäre. Seit Wochen müssen sie auch damit rechnen, nach der Ankündigung von Entlassungen von wütenden Streikenden gekidnappt und in ihren Büros stundenlang (oder sogar die Nacht über) festgehalten zu werden. Und die Manager haben so viel Angst, dass sie mit gerichtlichen Klagen noch viel mehr Protest provozieren könnten, dass sie dies schön bleiben lassen.

Auf dem Flughafen Schiphol in Amsterdam protestierten drei Monate lang die Reinigungskräfte. An vier Tagen streikten ArbeiterInnen aus sechs verschiedenen Firmen gemeinsam... und gewan-nen! Sie erhalten nun endlich saubere Pausenräume, die Erlaubnis für Gewerkschaftsarbeit auf dem Flughafengelände, einen Bonus von 50 € und für alle Reinigungskräfte der Niederlande 0,5% des Jahreseinkommens als Bonus.

All diese Beispiele zeigen: kämpfen lohnt sich! Doch die wichtigste Voraussetzung für erfolgreichen Widerstand ist, dass wir uns treffen und uns organisieren und nicht darauf warten organisiert zu werden. Oder anders ausgedrückt: „Hör auf zu glauben, dass es reicht, nur Mitglied der Gewerkschaft zu sein. No way: Organisier eine Mehrheit deiner Kollegen und sei aktiv!“ (J. Lock – Reinigungskraft auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol).


Marx
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