Revolutionär Sozialistische Organisation

Tarifrunde 2008: Ist das die Antwort auf die Krise?

Montag 17. November 2008

Die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie hatte kaum begonnen… da war sie auch schon wieder vorbei. Noch kurz vorher wurde mit Streiks gedroht, wenn die Unternehmen nicht nachgeben… und nun? Über 600.000 KollegInnen hatten mit Warnstreiks gezeigt, dass sie mehr Geld nicht nur gut brauchen sondern auch erkämpfen wollen.

Aber die IG Metall-Führung scheint ihr Verständnis für die „schwierigen Zeiten“ der Unternehmen über die Interessen ihrer Mitglieder und aller Arbeitenden zu stellen. In Anbetracht der größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten soll wieder mal verzichtet werden. Noch am 28. Oktober hatte IG-Metall-Chef Bertold Huber erklärt, dass es absurd wäre, in der Krise an Löhnen zu sparen… nur zwei Wochen später tut er genau das! 2,1% mehr Lohn ab Februar und eine Einmalzahlung von 510 Euro für drei Monate sind sicher, alles andere kann verschoben werden. Vielleicht kommen im Mai noch mal 2,1%... vielleicht aber auch erst im Dezember. Bei Unternehmen wie Opel wird die Tariferhöhung wegen Notlagentarifverträgen für viele KollegInnen ganz ausfallen. Und Infineon trat letzte Woche sogar aus dem Arbeitgeberverband aus – um die Lohnerhöhung zu sparen.

Die IG-Metall-Führung hat einen Tarifvertrag über 18 Monate abgeschlossen… weil die Unternehmen ja Planungssicherheit brauchen. Auch die anderen Gewerkschaftsführer sind nicht besser: Verdi hat bei der Tarifrunde der Banken aus Verständnis für die Finanzkrise erklärt auf Streiks zu verzichten. Im öffentlichen Dienst Berlins gab es nach über einem Jahr ebenfalls kaum Zugewinne trotzdem wurde der Streik letzte Woche abgebrochen.

Wenn die Unternehmen nun behaupten, sie hätten kein Geld für höhere Löhne, dann sollten wir nicht Verständnis für „schwierige Zeiten“ entwickeln sondern fragen: Wo sind denn all die Milliardenprofite der letzten Jahre geblieben? Die Aktionäre haben hohe Dividenden erhalten und besitzen, ohne dafür zu arbeiten, noch immer hunderte von Milliarden. Mag sein, dass einige Firmen kein Geld mehr haben – ihre Aktionäre haben es sicher!

Und was ist mit uns? Niemand weiß, wie tief die gegenwärtige Krise gehen wird und niemand weiß, auf welche Weise Regierung und Unternehmen versuchen werden, uns dafür zahlen zu lassen. Sicher ist nur: Es kommen harte Zeiten auf uns zu. Schon heute haben die Un¬ter¬nehmen Leih¬arbeiterInnen und Befristete ent¬lassen und ihnen damit die Perspektive auf ein Leben mit Hartz IV gewiesen. Vielleicht werden die Schulden, die die Regierung macht, um die Banken zu retten und die Autoindustrie zu subventionieren, über höhere Steuern bezahlt werden müssen. Vielleicht werden die Schulden über eine Inflation bezahlt werden. Schon vor der Wirtschaftskrise sind viele Dinge teurer geworden. So oder so werden wir ganz sicher mehr Geld in den nächsten Monaten brauchen.

Die Gewerkschaftsführungen haben in den letzten Wochen nicht gezeigt, dass sie willig sind, unsere Interessen zu verteidigen. Weder haben sie die Tarifrunden genutzt, um unsere gestiegenen Lebenshaltungskosten bei den Unternehmen zurückzuholen, noch haben sie mit Aktionen und Protesten versucht, den Abbau der Leiharbeiter und Befristeten zu verhindern. In „schwierigen Zeiten“ brauchen wir kein Verständnis für die Bosse – wir brauchen KollegInnen, die die Gegenwehr organisieren.

Nein zu diesem Abschluss!

Nein zu jeder Form von Arbeitsplatzabbau!

Die Verursacher der Krise sollen zahlen!


Marx
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