Revolutionär Sozialistische Organisation

200 Jahre Karl Marx – Sind seine Ideen veraltet?

Mittwoch 9. Mai 2018

Am 5. Mai vor 200 Jahren wurde Karl Marx geboren, vor gut 170 Jahren schrieb er mit dem „Kommunistischen Manifest“ seine wichtigste Programmschrift und vor gut 150 Jahren erschien der erste Band seines Hauptwerkes, „Das Kapital“. In diesen Tagen wird in vielen Medien an den deutschen Philosophen, Wirtschaftswissenschaftler und kommunistischen Politiker erinnert.

Die Probleme des Kapitalismus und Marx’ Antworten

Marx lebte in einer Gesellschaft im Umbruch – durch die industrielle Revolution bildete sich der Kapitalismus heraus, der damals im westlichen Europa für ungeahntes Elend unter den Arbeitenden sorgte. Die Grundlagen seiner Ideen bleiben solange aktuell, wie das kapitalistische Gesellschaftssystem mit seinen Krisen und Zumutungen – dem Raubbau an Mensch und Natur – bestehen bleibt. Marx sagte, dass man alle Verhältnisse umwerfen muss, „in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“

Diese Verhältnisse existieren heute noch. Nicht nur in den Schwellenländern, wo Arbeiter_innen zum Teil bis zu 16 Stunden am Tag arbeiten müssen, sondern auch in Deutschland, wo Millionen Menschen gezwungen sind schlecht bezahlte Jobs anzunehmen, in Leiharbeitsverhältnissen Arbeiter_innen zweiter Klasse zu sein oder durch niedrige Renten, trotz jahrelanger Arbeit, ein Leben in Altersarmut zu fristen.

Marx untersuchte die Grundlagen der kapitalistischen Gesellschaft um zu verstehen, wie sie funktioniert und wie sie verändert werden kann. Dabei stellte er alles in Frage, was diese Gesellschaft uns als scheinbar alternativlos präsentiert: Es ist nicht naturgegeben, dass Menschen für andere arbeiten oder ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Sogar das Kaufen und Verkaufen als solches, die Marktwirtschaft, in der alles zur Ware wird, ist nicht naturgegeben, sondern hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte entwickelt.

Arbeiten müssen die Menschen in jeder Gesellschaft. Dass wir aber gezwungen sind, uns auf dem Arbeitsmarkt zu verkaufen, liegt daran, dass einer kleinen Minderheit (heute vor allem Großaktionäre und -aktionärinnen) Unternehmen und Banken gehören und damit all das, was wir zum Arbeiten und Leben brauchen.

Dabei hat der Kapitalismus mit seiner modernen Industrie, der Technik und dem Know-How uns allen auch die Möglichkeit gegeben, endlich nicht mehr in Armut zu leben. Doch dafür müssen die Instrumente (Maschinen, Fabriken, Eisenbahnen und so weiter), die den Reichtum schaffen, allen Menschen zur Verfügung stehen. Eine solche Gesellschaft, in der alle gleichberechtigt über die Verwendung von Ressourcen, Produktionsanlagen und Hilfsmitteln entscheiden können, in der das gesellschaftliche Zusammenleben und die Frage, wie wir uns dazu organisieren, von allen gemeinsam in Angriff genommen wird, verstand Marx unter Sozialismus.

Gleichmacherei? Nein Freiheit!

Von Gegnern wurde dem Sozialismus oft „Gleichmacherei“ vorgeworfen. Und im angeblich sozialistischen Ostblock gab es tatsächlich wenig Auswahl an Produkten und wenig individuelle Rechte. Doch Ostblock und DDR waren nach Marx alles andere als Sozialismus. Marx wusste genau, wie unterschiedlich die Menschen sind und wollte keinesfalls „das gleiche“ für alle. Seine Maxime war stattdessen „jedem nach seinen Bedürfnissen“. Und schon im Kommunistischen Manifest gab er als Ziel eine Gesellschaft aus, „worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“.

Der Kapitalismus hat sich länger gehalten als Marx gedacht hatte, und durch die Arbeiterbewegung konnten einige sozialstaatliche Errungenschaften erkämpft werden, sodass in Europa die Arbeitenden nicht mehr so elend leben müssen wie zu Marx‘ Zeiten. Trotzdem wird der Kapitalismus nicht das Ende der Menschheitsgeschichte sein. Weltweites Elend, Klimawandel und die sich verschlechternden Arbeitsbedingungen in allen Ländern zeigen, dass eine Überwindung des Kapitalismus überfällig ist. Dafür muss die Entscheidungsgewalt über unsere gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ressourcen auf alle arbeitenden Menschen übergehen. Das heutige kapitalistische Eigentum an Fabriken, Banken, Grund und Boden muss enteignet und allen zur Verfügung gestellt werden. Ein revolutionäres Programm, dessen Umsetzung in der Hand von uns Arbeitenden liegt. Denn wir nutzen schon heute all diese Mittel, um den Reichtum der anderen zu produzieren. Wir müssen sie uns zurückholen.


Marx
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