Revolutionär Sozialistische Organisation

Bahner in Frankreich: "Wir geben nicht nach..."

Dienstag 17. April 2018

Die Bahner*innen haben letzten Freitag und Samstag wieder in Frankreich gestreikt. Zur Erinnerung: die großen Gewerkschaften haben sich einen "Streikkalender" überlegt – 2 Tage streiken, 3 Tage arbeiten – so soll das bis Juni gehen.

Der Streik der Bahner jedenfalls verfestigt sich. Hier und da wird er breiter, aber vor allem wächst die Entschlossenheit. Da der 13. April der erste Tag der Streikperiode war, waren die Versammlungen an diesem Tag größer als am 14. April. Generell sind bei den Versammlungen am zweiten Tag halb soviele Leute da wie am ersten Tag. Und die Verantwortlichen der Gewerkschaft der CGT sind sogar diejenigen, die am wenigsten für die Vollversammlungen am zweiten Tag einladen. Wozu auch eine Vollversammlung, wenn der Streikkalender schon feststeht ? Die Bewegung ist vielleicht ein wenig zurückgegangen im Vergleich zu den Vortagen. Aber das ist unterschiedlich von Ort zu Ort. Und Kollegen haben eingeräumt, dass sie gezögert haben zu Beginn der Ferienzeit in Frankreich zu streiken.

Von Seiten der Gewerkschaftsleitungen gibt es bis jetzt keine Redebeiträge in den Vollversammlungen, die meinen, dass es was zu verhandeln gäbe. Die Leitungen der Gewerkschaften CGT und CFDT fordern aber ständig "echte Verhandlungen"… Aber was verhandeln ? Es geht doch darum, die Regierung zu zwingen, die Reform der SNCF zurück zunehmen! Allerdings, wenn die Regierung und die Leitung der SNCF sich mit den Gewerkschaftsführungen treffen – und zwar stundenlang, wie sie sagen – dann sicher nicht, um sich anzuschweigen. Dieses Palavern hat doch irgendeinen Zweck, über den die streikenden Bahner jedoch nicht informiert werden. Geht es um den Deal, den Macron erwähnt hat, und zwar dass der Staat einen Teil der Schulden der SNCF übernimmt und dafür verspricht man den Bahnern einen "guten" Tarifvertrag? Ein « guter » Tarifvertrag ohne die bisherigen Arbeitsbedingungen des "Bahnerstatus" für die neueingestellten Bahner? Nichts wird von diesen angeblichen « Fortschritten », über die der Chef der Gewerkschaft CFDT in den Medien Andeutungen macht, in den Vollversammlungen berichtet.

Insgesamt sind etwa 50.000 Bahner*innen, davon 30.000 Lokführer*innen, entschlossen am Streik beteiligt. Was riesig viel ist. Die große Mehrheit streikt im Rhythmus des sogenannten "Streikkalenders". Aber eine Minderheit streikt unbefristet, was die Gewerkschaften SUD Rail und andere unterstützen. Diejenigen, die unbefristet streiken, u.a. im Pariser Nordbahnhof, Ostbahnhof und in St. Lazare, nutzen die Zeit, um aktiv Werbung für einen echten Streik zu machen : durch Mobilisierungskomitees, durch systematisches durch-die-Bahnhöfe ziehen um alle Kollegen zu besuchen und durch Verteilung von Flugblättern an andere Arbeitende und Studierende. Sie berichten davon in den Vollversammlungen und erklären, dass der unbefristete Streik Voraussetzung für einen aktiven Streik ist.

Die letzte Woche war von vielen Initiativen geprägt : in Richtung der Fahrgäste (auf Märkten oder an Autobahnmautstellen) oder Treffen mit anderen Beschäftigten (Post oder RATP = U-Bahn/Busse in Paris). Es gibt auch politische Feste, wie in Strasbourg auf dem Bahnhofsvorplatz. Ab und zu gibt es Aktivisten der Kommunistischen Partei, der Linkspartei und der NPA (Neue Antikapitalistische Partei), die Redebeiträge in den Vollversammungen halten.

Aber die Anspannung ist auch gestiegen, weil der Streik der Bahner*innen und ein Teil der Bewegung der Studierenden sich aufeinander zubewegen. Student*innen, Bahner, alle zusammen - das ist nicht nur ein Slogan. Im Pariser Raum sind kleine Gruppen von mehr oder weniger 20 Bahnern mehrere Male in den Universitäten von Tolbiac, Nanterre oder Saint-Denis gewesen, um den von den Bullen bedrohten Studenten Rückenstärkung zu geben. Andersherum haben die Studierenden "Spaziergänge" zu den Bahnhöfen organisiert. Zum Beispielen waren 150 Studenten am Donnerstag, 12. April, im Bahnhof St. Lazare. Warmer Empfang. Viele Diskussionen. Solche Treffen von Aktivist*innen gibt es überall in

Frankreich.

Die Bewegung der Studierenden steigt weiter an, auch wenn es noch nicht von außen zu sehen ist. Wegen der Brutalität der Polizei steigen die Emotionen. Dies vor allem wegen der Polizeigewalt gegen ein selbstverwaltetes ökologisches Dorf in der Nähe von Nantes, das die Regierung nicht mehr dulden will und versucht zu räumen. Die politische und gewerkschaftliche Demonstration am 14. April in Marseille war ein Erfolg. Man kann also davon ausgehen, dass die Bewegung bei den Bahnern während der nächsten Streikperiode 18. und 19. April nicht zurückgehen wird, ganz zu schweigen davon, dass der 19. April ein großer Tag der Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes und der Privatwirtschaft werden wird.

Alle zusammen – das wäre ein echter Alptraum für den französischen Präsidenten Macron, der die Reichen bedient – und zu allererst die großen börsennotierten Unternehmen CAC 40.

Foto Bahnhof Saint-Lazare


Marx
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