Revolutionär Sozialistische Organisation

Ihr „Fachkräftemangel“ ist unsere Stärke!

Dienstag 27. Februar 2018

Neue Studien heizen die Debatte über den angeblichen Fachkräftemangel in Deutschland wieder an. Viele Unternehmen könnten trotz voller Auftragsbücher nicht alle Aufträge durchführen, da ihnen qualifiziertes Personal fehle. Sie reden von „Wachstumsbremse“ und „gedämpftem Optimismus für die Zukunft“. Doch die Arbeitenden pfeifen auf dem letzten Loch – seien es Lokführer_innen, Lehrer_innen oder Krankenpfleger_innen. Sie müssen immer mehr arbeiten, um die Gewinne der Unternehmen zu garantieren.

Es brummt – doch nicht bei uns

Die deutsche Wirtschaft brummt seit Jahren und auch 2018 wird mit einem Wirtschaftswachstum von 2,5% gerechnet. Es wird weiter investiert und die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit 1990 nicht mehr. Doch etwas macht der deutschen Wirtschaft schlechte Laune: der „Fachkräftemangel“. Laut einer Umfrage, bei mehr als 800 Unternehmen, mussten diese konkret auf Umsatz verzichten, da sie aufgrund von Mitarbeitermangel Aufträge nicht annehmen konnten. Es wird davon ausgegangen, dass bis 2040 mehr als 3 Millionen qualifizierte Arbeitende fehlen werden. So sieht die Realität aus Im Pflegebereich fehlen jetzt schon mehrere tausend Stellen und das wird in den nächsten Jahren kaum besser. In den letzten 15 Jahren ist die Zahl der Pflegekräfte um 10% gesunken, die Menge an Arbeit jedoch gewachsen. Hohe Arbeitsbelastung, Überstunden und die schlechte Bezahlung bieten kaum Attraktivität, den Beruf zu erlernen. Die durchschnittliche Verweilzeit in der Pflege liegt derweil bei ca. 7 Jahren.

Auch beim ehemaligen Traumberuf Lokführer sieht es nicht besser aus: zu wenig Personal, Unmengen an Überstunden, eine krasse Flexibilisierung der Arbeitszeiten und keine verlässlichen Dienstpläne. Im Fernverkehr sind 14 Stunden Schichten keine Seltenheit.

Auch anderswo klafft eine Lücke zwischen „Angebot und Nachfrage“: Die Eltern unter uns wissen, wie oft Schulstunden ausfallen oder Kinder nicht in den Kitas betreut werden können. Die Personaldecke ist so dünn, dass schon kleine Krankheitswellen katastrophal enden. Als „Lösung“ werden bisher Stunden für die Schüler_innen gekürzt und für die Lehrer_innen erhöht oder deren Ausbildungszeit verkürzt. Viele Schulen können sich nur mit Quereinsteiger_innen über Wasser halten, die zwar fachlich gut gerüstet, aber pädagogisch nicht ausreichend qualifiziert sind.

Und wie weiter?

Der Personalmangel ist in vielen Branchen Realität, doch in unserem Wirtschaftssystem, bei dem Politiker einzig im Gedanken an „das Wohl der Wirtschaft“ Politik machen, keine Überraschung. Die Profitlogik führt zu Problemen für die gesamte Gesellschaft. Warum muss das Gesundheitssystem profitabel sein? Warum muss öffentliche Infrastruktur privatisiert werden? Warum werden Berufe, die essentiell für die Gesellschaft sind, nicht mit dem entsprechenden Gehalt entlohnt? Und warum bekommt nicht Jede_r soviel Gehalt, dass es gut zum Leben reicht?

Bei den einen herrscht Mangel, während es gleichzeitig Entlassungswellen in Betrieben wie bspw. Siemens und Gilette gibt, da die Standorte angeblich zu teuer und unrentabel wären. Arbeitsplätze werden verlagert und bei den verbliebenen wird Druck aufgebaut, jegliche Verschlechterung anzunehmen, die restliche Arbeit zu übernehmen und am Limit zu arbeiten. Das klingt absurd – aber hier wird mit einem künstlich hergestellten Mangel auf Kosten der Arbeitenden Profite eingefahren. Lasst es uns nutzen!

Das Problem kann nur langfristig und gesamtgesellschaftlich gelöst werden. Bestimmte Berufsfelder müssen attraktiver und die Arbeit auf allen Schultern verteilt werden. Dazu gehören auch bessere Bezahlung für soziale Berufe wie Pflege und Erziehung, Arbeitszeitverkürzung, geregelte Dienstpläne oder auch kleinere Klassen oder Kita-Gruppen. Dazu gehört eben auch in Zukunft z.B. mehr Lehramt-Studienplätze zur Verfügung zu stellen, so dass Klassen verkleinert und Stunden herabgesetzt werden können. Und noch vieles mehr! Heute wird gut deutlich, wer hier von wem abhängig ist: die Wirtschaft läuft nicht ohne uns! Die Auftragsbücher können noch so voll sein, wenn wir nicht da sind, die die Arbeit machen, bringt es den Unternehmen nichts! Wir sind in einer Situation, wo wir alle zusammen, egal ob Fachkraft oder prekär Beschäftigte_r, Kämpfe und Garantien auf langfristige Veränderung durchsetzen könnten. Wir sollten diese Chance nutzen und nicht die Pläne der Unternehmen, die mehr und mehr Angriffe auf unsere Arbeitsbedingungen und Löhne planen, durchgehen lassen!


Marx
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