Revolutionär Sozialistische Organisation

Ein Koalitionsvertrag, ein Tarifvertrag für die Metaller_innen... Und alles wird besser?

Donnerstag 15. Februar 2018

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Der Zugfunke - 15. Februar 2018

Ja, nein, vielleicht? Sicher…

trotz aller Bekundungen und angeblicher Kritik untereinander in der Berliner Regierung läuft das Markterkundungsverfahren weiter. Es soll gecheckt werden, welches Privatunternehmen künftig die Lieferung der Züge und die Wartung bzw. Instandhaltung übernehmen könnte. „Wettbewerbsorientiert“ soll alles laufen. Was das heißt, kennen wir schon. Für die Werkstattleute gibt es ein paar Bonbons zum Karneval: Es werde alles gut, denn es soll Tarifverträge geben. Aber auch das kennen wir schon! Kein Tarifvertrag stoppt Stellenabbau und Verschlechterungen bei den Arbeitsbedingungen. Was passiert mit den Arbeitsplätzen, wenn neue Zuge kommen? Was passiert, wenn ein neuer Werkstattbetreiber kommt? Die S-Bahn-Leitung schweigt und lässt die Politik machen. Kein guter Zug für uns.

Um keine Ausrede verlegen

Es werden wieder vermehrt Züge abgestellt. Die S-Bahn-Chefs plappern rum, die neuen Tarifvertragsregeln zur Planbarkeit und die BV Arbeitszeit seien vor allem Schuld. Man habe auch nicht gedacht, dass sich so viele für freie Tage statt Geld entscheiden würden. Und dann das „Problem“, dass viele umgeschwenkt sind, weg von Spätschicht und Nachtschicht. Überraschend, das alles? Wovon die S-Bahn-Leitung so alles „überrascht“ wird, kennen wir schon. Von Schneeflöckchen und Grippewelle im Januar, zum Beispiel…

Sollen wir auf Planungssicherheit verzichten?

Wer soll glauben, dass frühere Planung der Schichten zu den Problemen mit den Zügen führt? Der Tarifvertrag sagt doch nix, welche Dienste man bekommt und was man genau zu fahren hat! Aufgrund der Monatsplanung können doch nicht die Schichten schlechter oder mehr Lokführer nötig werden! Und ob wir Schichten tauschen können oder nicht, ist doch nicht plötzlich anders geworden. Sollen die doch mal alle Kalkulationen und Infos auf den Tisch packen. Dann wird sich sicher bestätigen, dass wie immer einfach Leute fehlen, die Werkstatt nicht hinterher kommt, die Technik Probleme macht usw.

Die S-Bahn-Führungsetage will davon ablenken und uns den Kopf verdrehen, auf dass wir auf das bisschen Planbarkeit verzichten. Ganz schön frech…

Rezept mit Zuzahlung

Aus dem ganzen Eisenbahnland (Regio, Cantus, Städtebahn Sachsen, Nordwestbahn…) ist von einer plötzlichen Grippewelle und Zugausfällen zu lesen. Eine Grippewelle oder schwappt da nicht die Suppe der Personalpolitik über den Tellerrand? Denn gleichzeitig suchen diese Ausbeuter permanent nach Personal! Nur weil einige mal krank sind?

Tja, das ist schon ein Dilemma. Wenn überhaupt Personal zu den Arbeitsbedingungen gefunden wird, dann werden die davon auch noch krank! Also müssen bessere Arbeitsbedingungen her. Dann findet sich auch Personal, das seltener krank wird.

Das hat leider eine Nebenwirkung: Die Chefs werden verhungern wenn sie von den 10 Keksen, die sie haben evtl. 2 statt nur einem an die Belegschaft abgeben müssen. Ist aber nicht so schlimm, wir haben noch nichts darüber gelesen, dass Züge wegen kranker Chefs ausgefallen wären.

Nach oben offen

Die Ausschreibung bei Regio rückt immer näher. Doch neben dem allgemeinen Geschwafel - es müsste besonders an Personalkosten gespart werden - ist nichts Konkretes zu hören.

Es soll Druck aus Frankfurt geben. „Oben“ in den Plüschetagen wissen alle Bescheid, nur uns gegenüber wird alles geheim gehalten. Was haben sie dem Betriebsrat erzählt oder hat der einen Maulkorb verpasst bekommen? Zu befürchten ist, dass wie zur Ausschreibung in der Prignitz an den Arbeitszeiten, Pause auf dem Zug und den Einsatzräumen versucht wird, die Daumenschrauben anzuziehen. Wir sollen mal wieder verzichten?

Verzicht bringt uns nichts

Und was ist in der Prignitz raus gekommen? Der „Verzicht“ der Kollegen wurde durch die Verrückheiten in der Chefetage - wie das Desaster um die billig eingekauften Triebwagen usw. - wieder durch den Schornstein gejagt. Ein Gutachten für die Verkehrsministerkonferenz kam schon vor ein paar Jahren zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Personalkosten (Tf+Zub) gerade mal ca. 9% sind. Da kann man sich vorstellen, wie gering die Auswirkungen so eines „Verzichts“ für die gesamte Kalkulation sind und wie wenig entscheidend sie sein können, eine Ausschreibung zu gewinnen. Ja aber, werden die Schlaumeier im Schlips argumentieren: Wir müssen auch noch Gewinn machen. Sie wollen „verdienen“ und jetzt zahlen sie nur noch „drauf“! Tja selbst wenn Regio sich schlecht rechnet, die Trassen- und Stationsgebühren haben laut Gutachten einen Anteil von ca. 40%. Wie viel Gewinn davon in den DB-Konzern abgezweigt werden, darüber wird sich ausgeschwiegen.

Bei aller Hin- und Herrechnerei ist klar: Die DB tritt zu einer Ausschreibung nur an, wenn sie Gewinne erwartet und nicht, um unsre Arbeitsplätze zu retten. Unser „Verzicht“ führt nur dazu, dass die DB mehr Gewinne kalkulieren kann. Ob die Ausschreibung gewonnen wird oder nicht, hängt davon nicht ab.

Jedes Zugeständnis bedeutet aber Verzicht auf Freizeit. Ist nicht eine Grenze erreicht und der Schwamm zu trocken, um noch mehr aus diesem Raus zu quetschen?


Marx
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