Revolutionär Sozialistische Organisation

Bedrohen die Migranten die deutsche Gesellschaft?

Montag 11. Januar 2016

Alle haben davon gehört, was in der Sylvesternacht in Köln, Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart, Berlin und anderen Großstädten geschehen ist: Organisierte Diebstähle gepaart mit sexuellen Übergriffen oder gar Vergewaltigungen. Völlig klar, diese Männer müssen zur Rechenschaft gezogen und vor Gericht verurteilt werden, egal ob deutscher oder nicht-deutscher Herkunft.

Sie kochen ihr rassistisches Süppchen

Für AfD und Pegida sind die Vorfälle jedoch Wasser auf ihre Mühlen. Werden nicht all ihre Hetzreden der vergangenen Monate endlich bestätigt? Wir sagen „NEIN“! Über eine Million Flüchtlinge in Deutschland werden hier einfach zu Sündenböcken gemacht – darunter viele Frauen und Kinder. Und sämtliche Menschen, die nichtdeutsche Wurzeln haben – insbesondere arabische oder türkische – werden unter Generalverdacht gestellt. Es kommt aber doch schließlich auch keiner auf den Gedanken, dass alle Bayern Vergewaltiger sind, nur weil auf dem Oktoberfest 20 Frauen vergewaltigt wurden. Und es würde auch niemand behaupten, dass alle Deutschen Rassisten oder rechtsextrem sind, nur weil jetzt Gruppen von Schlägern in Köln durch die Straßen ziehen und Migranten krankenhausreif schlagen bzw. irgendwelche Männer in den vergangenen Monaten immer wieder Flüchtlingsheime anzünden oder gar ihre Bewohner gezielt töten.

Sexuelle Gewalt: Teil unserer Gesellschaft!

Es wird in vielen Kreisen jetzt so getan, als würde es den Frauen in Deutschland ohne Migranten oder Flüchtlinge viel besser gehen. In Wahrheit sieht die Realität unter Deutschen aber nicht so rosig aus, wie gern behauptet wird. Denn Gewalt gegen Frauen ist in Deutschland zwar verboten und Erniedrigung öffentlich verpönt, doch wir wissen alle nur zu gut wie verlogen das oftmals ist: Prostitution ist ein florierendes Geschäft, zirkulierende Pornofilmchen unter Männern keine Seltenheit, frauenfeindliche Sprüche und Einstellungen Alltag. Und es ist noch weit schlimmer: rund ein Drittel aller Frauen hat schon ein- oder mehrmals sexuelle Gewalt am eigenen Leibe erleben müssen und fast jede Frau wurde schon einmal sexuell belästigt (!). Dabei ist die sexuelle Belästigung auf Großveranstaltungen traurige Normalität. Doch viel größere Ausmaße nimmt die sexuelle Gewalt im Bekannten- oder Familienkreis ein: In der Ehe finden heute noch immer die meisten Vergewaltigungen statt! Und was noch viel dramatischer dabei ist: die Verurteilung von Vergewaltigern ist in den letzten 20 Jahren in Deutschland kontinuierlich gesunken! Wurden 1994 noch 21,6 % der Angeklagten verurteilt, waren es 2012 nur noch 8,4. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Täter wegen einer Vergewaltigung verurteilt zu werden bei weniger als 10 % liegt – und das in Deutschland im 21. Jahrhundert! Diese Daten zeigen uns, dass Frauenfeindlichkeit nach wie vor ein Problem der gesamten Gesellschaft in Deutschland ist und viele deutsche Männer – wenn auch glücklicherweise nicht alle! – sich an die eigene Nase fassen müssen.

Vorsicht Wahlen!

Von den Rechtsextremen erwarten wir nichts anderes, als dass sie die Vorgänge in Köln für ihre Interessen missbrauchen. Und auch die bayerische CSU ist nicht bekannt für Weltoffenheit und Internationalismus! Doch nun stoßen selbst CDU und SPD in dasselbe Horn und fordern lautstark die Abschiebung „krimineller Asylbewerber“. Ihr Kalkül liegt klar auf der Hand: die rassistische und flüchtlingsfeindliche Stimmung hat spätestens seit Pegida stark zugenommen. Viele trauen sich heute rassistische Bemerkungen offen zu äußern, was sie früher nur hinter vorgehaltener Hand gewagt haben zu sagen. Die AfD profitiert von dieser Stimmung und das ist für die etablierten Parteien, wie CDU/CSU und SPD mittlerweile ein Problem. Denn dieses Jahr stehen allein sieben Wahlen auf Land- oder Kreistagsebene an. Sie sind auch das Stimmungsbarometer für die Bundestagswahlen 2017. Kein Wunder also, dass der jetzige Vorfall in der Sylvesternacht von den großen Parteien genutzt wird, um sich der fremdenfeindlichen Stimmung anzupassen und auf Stimmenfang zu gehen.

Doch das Leben in diesem Land wird nicht sicherer oder frauenfreundlicher, wenn wir uns rassistischem Gedankengut und Vorurteilen hingeben. Der Kampf gegen Frauenunterdrückung ist keine kulturelle und auch keine nationale Frage. Und uns interessieren auch nicht nur die Rechte der deutschen Frauen, sondern ebenso die der arabischen, afrikanischen oder osteuropäischen! Der Kampf gegen die Frauenunterdrückung bleibt international und die Aufgabe aller Männer und Frauen gemeinsam!


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