Revolutionär Sozialistische Organisation

Verteilungsgerechtigkeit – eine Frage der Perspektive

Mittwoch 1. April 2015

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt mehr Geld! Für wen? Für die Aktionäre und die obersten Chefetagen.

Sie haben die ArbeiterInnen kräftig schuften lassen. Das bringt den Aktionären der 30 großen an der DAX-Börse gehandelten Unternehmen jetzt 29,5 Milliarden Euro an Dividenden ein. Das reichste Prozent der Bevölkerung in Deutschland besitzt – je nach Rechnung – 24 bis 30% des gesamten privaten Vermögens. Und das sind bei denen in der Regel große Aktienpakete. Für diese gibt’s jedes Jahr eine Dividendenzahlung, wovon sie sich ein gutes Leben machen. Dieses Jahr haben die Dividenden einen neuen Rekord erreicht. Wirtschaftskrise? Niedrigzinsen? Für Großaktionäre eine Sorge, aber nichts, was das Wachstum ihres Vermögens verhindert.

Die Vergütung der DAX-Chefetagen ist um gute 10% auf durchschnittlich 5,9 Millionen Euro gestiegen... pro Mann bzw. Frau, versteht sich. Alles drunter wäre ja ein Hungerlohn...

Unternehmen können auf Merkel zählen

Damit es weiter rund läuft, haben sich die Spitzenleute der deutschen Arbeitgeberverbände kürzlich mit Merkel getroffen und aufgeschrieben, was sie an Wünschen haben.

Ganz vorne steht das Thema Mindestlohn, das rote Tuch für die Wirtschaft. Die Unternehmen beklagen sich darüber, dass sie für jeden Minijobber und für alle Beschäftigten in bestimmten Branchen, in denen Schwarzarbeit verbreitet ist (Speditionen, Fleischwirtschaft, Personenbeförderung, Gaststätten etc.), die Arbeitszeiten dokumentieren müssen. Das sei zu viel Bürokratie und müsse wieder aus dem Gesetz gestrichen werden. Zu viel Bürokratie? Die Unternehmer zeigen einmal mehr, wie herablassend sie die Arbeitenden behandeln, indem sie solch ein lächerliches Argument bringen. Unternehmen versuchen mit vielen Tricks die Zahlung des Mindestlohns zu umgehen: neue Verträge mit weniger Stunden werden vorgelegt, aber Überstunden nicht bezahlt, Bereitschaftszeiten werden zu Freizeit deklariert, Zuschläge gestrichen. Bestünde keine Pflicht mehr, die Arbeitszeiten aufzuschreiben bzw. zu speichern, wäre eine Kontrolle praktisch nicht möglich. Unternehmer würden weiterhin versuchen, Arbeitende mit 7,50 Euro oder weniger abzuspeisen.

Unternehmen verlangen außerdem, dass sie nicht mehr dafür haften, dass von ihnen beauftragte Subunternehmen den Mindestlohn zahlen. Nachdem sie seit Jahren ausgliedern und fremdvergeben, was das Zeug hält, haben Unternehmen selbst ein schwer durchschaubares Geflecht an Sub-Subunternehmen geschaffen, deren „Geschäftsmodell“ u.a. darauf beruht, Löhne zu drücken. Damit zukünftig wieder ein Unternehmen dem anderen den “Schwarzen Peter“ zuschieben kann, falls gesetzliche Mindeststandards nicht eingehalten werden, soll die Haftung aus dem Mindestlohngesetz ebenfalls gestrichen werden.

Merkel und ihre Parteifreunde in der CDU haben schon erklärt, ein offenes Ohr für die „Nöte“ der Unternehmen zu haben.

Je mehr Ausbeutung, desto größer die Profite

Das sind die zwei Seiten ein und desselben Systems: auf der einen Seite die Klasse der Arbeitenden, von denen ein immer größerer Teil schwer vom Lohn leben kann, während gleichzeitig der Leistungsdruck auf Arbeit steigt, so dass Arbeit immer häufiger krank macht. Und auf der anderen Seite die Aktionärsfamilien, die mit Hilfe ihrer Manager immer mehr Reichtum anhäufen. Ihnen geht es immer nur um die Profite. Dass dabei Familienväter über 200 Stunden monatlich ackern müssen oder Teilzeitjobberinnen zwei Jobs brauchen, um über die Runden zu kommen, oder langjährig Beschäftigte noch vor der Rente aufhören müssen, weil nach Jahrzehnten Plackerei die Gesundheit nicht mitspielt, das nehmen die 1%-Superreichen in Kauf.

Da aber nur die Arbeitenden den Reichtum erschaffen, wäre es dann nicht gerecht, wenn ihnen auch der Reichtum zur Verfügung stünde für Löhne und Renten, von denen man leben kann, und Arbeitsplätze für alle mit anständigen Arbeitsbedingungen?

Die Klasse der Kapitalisten selbst führt uns immer wieder vor Augen, was für eine Ungerechtigkeit dieses kapitalistische System bringt. Indem sie immer weiter die Arbeits- und Lebensbedingungen verschlechtern, lassen sie aber auch die Unzufriedenheit und die Wut unter den Arbeitenden weiter ansteigen. Wenn Wut sich mit Entschlossenheit verbündet und die Arbeitenden sich über betriebliche Grenzen und Berufsgruppen hinweg zusammenschließen, dann wird es nicht nur möglich sein, Verbesserungen zu erkämpfen, sondern das gesamte ungerechte System zu beseitigen.


Marx
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