Revolutionär Sozialistische Organisation

Der Hunger: ein kapitalistisches Produkt

Dienstag 22. April 2008

Kein Tag vergeht mehr, an dem keine neue Meldung erscheint, dass schon wieder in einem Land der Dritten Welt Hungerproteste stattfanden. Viele dieser Proteste werden mit Polizeigewalt brutal auseinander getrieben. Es gibt viele Tote, Verletzte und Verhaftungen. 36 Länder der Welt, davon allein 21 in Afrika, sind von einer Nahrungsmittelkrise erfasst. Selbst Organisationen wie IWF und Weltbank, die die Ausbeutung und Aushungerung durch jahrelange „Strukturanpassungsprogramme“, d.h. Privatisierungen, Sozialkürzungen und anderes, entscheidend mitzuverantworten haben, sorgen sich plötzlich. Ihnen und den Regierungen vor Ort droht die Kontrolle über die Millionen von Armen und Hungernden zu entgleiten. In Haiti wurde die Regierung bereits gestürzt. Welches wird die nächste sein?

In unserer Presse und von Politikerinnen wie der Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul wird oft behauptet, dass die Preissteigerungen um das Drei- oder Vierfache vor allem durch den zunehmenden Konsum der Schwellenländer wie z.B. China verursacht würden. Die ehemals Hungernden sind also Schuld am Hunger, weil sie mehr essen? Welch zynische Logik, um von der Verantwortung der westlichen Länder und ihrer Konzerne abzulenken.

In Wahrheit ist das Getreide alles andere als knapp. Dieses Jahr wird sogar mit einer weltweiten Rekordernte von 2,16 Mrd. Tonnen gerechnet! Doch subventionierte landwirtschaftliche Billigimporte aus den USA und der EU haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten die einheimischen Bauern auf den Märkten der armen Länder verdrängt. Dies ist ein entscheidender Grund für die heutige Abhängigkeit von internationalen Importen. Und dies sorgt auch dafür, dass Spekulanten, die durch die Finanzkrise ihr Geld aus dem Immobiliengeschäft abgezogen haben, nun auf Empfehlung von Finanzanalysten ihr Geld in Nahrungsmittel investieren. Auch dies ist einer der entscheidenden Gründe für die plötzliche Steigerung der Preise. Das spekulative Geschäft mit dem Hunger läuft auf Hochtouren!

Ein weiterer Grund ist die Gewinnung von Biosprit. Tonnenweise Mais oder Zuckerrohr werden nur dafür angebaut, um Fahrzeuge mit Benzin zu versorgen. Eine einzige Tankfüllung reiner Biosprit könnte einen Menschen ein ganzes Jahr lang ernähren!

Dies sind die Ursachen des Hungers, die sich vermeiden ließen, wenn es nicht darum ginge, aus Nahrungsmitteln ein Geschäft zu machen und sich auf Kosten der Ärmsten zu bereichern.


Marx
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